Bild nicht mehr verfügbar.

Foto: APA/EPA

Heidelberg - Heidelberger Wissenschafter haben ein Schlüsselmolekül entdeckt, das beim Altern und beim Entstehen chronischer Krankheiten von zentraler Bedeutung ist. Das in fast allen Körperzellen enthaltene RAGE ist ein Rezeptormolekül für fortgeschrittene Stoffwechselprodukte der so genannten Glykierung, einer komplexen chemischen Reaktion zwischen Zucker- und Eiweißmolekülen.

Die Forscher konnten am Menschen und am Tiermodell zeigen, dass ein Mangel an RAGE einen gewissen Schutz vor chronischen Erkrankungen oder vor Spätschäden durch Diabetes bietet. Sie klärten auch, wie die fortgeschrittenen Stoffwechselprodukte, so genannte AGE-Moleküle, via RAGE bleibende Spuren in den Zellen hinterlassen.

Kettenreaktion

Sie werden zunächst an der Zelloberfläche an das RAGE-Molekül gebunden, das wiederum diese Informationen in das Innere der Zelle weiterleitet. Über eine folgende Kettenreaktion werden von so genannten Transkriptionsfaktoren in der Erbsubstanz Informationen abgerufen, die zur Produktion bestimmter Eiweißmoleküle führen. Besonders aktiv ist dabei der Transkriptionsfaktor NF-kappaB, der im Körper Entzündungs- und Abwehrreaktionen auslöst und unterhält.

Er wird sowohl bei Verletzung der Zelloberfläche durch Bakterien und Viren aktiviert als auch durch die Bindung von AGE-Molekülen an RAGE. In Blutzellen von Diabetikern oder Patienten mit chronischer Darmentzündung ist der NF-kappaB-Faktor dauerhaft aktiv.

Wirkung bei Mäusen

Zirkulieren RAGE-Moleküle frei im Blut, fangen sie dort AGE und andere Substanzen ab und verhindern damit deren verhängnisvolle Wirkung auf den RAGE-Rezeptor an den Zellen. Im Tierversuch konnte lösliches RAGE den Gesundheitszustand von Mäusen bessern, die an Diabetes, Gefäßverkalkung, Alzheimer oder an chronischen Entzündungen leiden.

Bei dem komplexen Alterungs- und Krankheitsprozess ist der RAGE-Mechanismus jedoch nur ein Faktor. Studien belegen nicht nur die schützende Wirksamkeit von Arzneimitteln, sondern auch von Entspannung und seelischem Wohlbefinden auf zerstörerische Aktivitäten in den Zellen. Ablesbar ist dies an der geringeren Aktivität des Transkriptionsfaktors NF-kappaB. "Wir glauben, dass psychischer Stress bisher unterschätzt wird", sagt Professor Peter Nawroth von der Uni-Klinik Heidelberg.

In einer klinischen Studie will er erforschen, ob Psychotherapie die Aktivierung von NF-kappaB vermindern und damit Folgeschäden von Diabetes vermeiden kann. "Ziel unserer Untersuchungen ist nicht nur die Entwicklung neuer Medikamente, sondern auch von wissenschaftlich fundierten Ratschlägen zur Veränderung des persönlichen Lebensstils." (APA/AP)