Heftige Kritik an der Reform des Hörfunkprogrammes im ORF-Landesstudio Salzburg kommt jetzt vor allem von Salzburgs Literaten. Im Gegensatz zu anderen Landesstudios "eliminiere" der Direktor des Landesstudios Salzburg, Hubert Nowak, die Literatur fast gänzlich aus dem Programm, sagte der Leiter des Literaturhauses Eizenbergerhof, Tomas Friedmann. Nowak betonte, dass der Anteil der Kultur im Programm des Landesstudios Salzburg nicht sinke, sondern sogar leicht steige.

"Kulturelle Verarmung"

Das ab März geplante Programm des Landesstudios sei eine "kulturelle Verarmung und ein Rückzug auf den geistigen Mainstream", kritisierte Friedmann. Die Landesstudios von Kärnten, Tirol, Oberösterreich, Vorarlberg und der Steiermark hätten die ernste Musik und die Literatur trotz bereits erfolgter Umstellung auf die so genannte Radiofläche (durchmoderiertes Tagesprogramm von 6.00 Uhr bis 18.00 Uhr, im Wesentlichen ohne thematisch gebundene Sendungen, Anm.) mit fixen Sendungen zumindest ein Mal wöchentlich im Programm erhalten, argumentierte Friedmann. "In diesen Studios gibt es nicht nur Berichte über literarische Veranstaltungen.

Abends, wenn die Nation vor dem Fernseher sitzt, werden dort zum Beispiel auch Dichterlesungen, also Primärliteratur gesendet. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Landesstudios mehr Geld oder die dortigen Hörer andere Bedürfnisse hätten", so der Leiter des Literaturhauses.

Fixplätze für Kultur

Dazu der Direktor des Landesstudios: "Der Vorteil im Sinne der Kultur ist, dass die Beiträge über den Tag verteilt werden und damit mehr Hörern zugänglich gemacht werden. Obwohl wir die Kultursendung 'Papageno' streichen, wird es zu den 'guten' Radiozeiten, also am späten Nachmittag, Fixplätze für die Kultur geben. Für die ganz speziellen kulturellen Bedürfnisse von Minderheiten muss ich auf den ORF-Sender Ö1 verweisen."

"Geschickte" Wege der Vermittlung

Friedmann lässt diesen Einwand nicht gelten. "Es ist von großer Bedeutung, dass auch die Hörer des staatlichen Hörfunkes Ö2, für den der gesetzliche Bildungsauftrag auch gilt, mit Literatur oder auch ernster Musik moderat konfrontiert werden. Man muss halt geschickte Wege der Vermittlung suchen, um die meist älteren Hörer von Ö2 nicht zu überfordern. Aber dazu fehlt der Wille im ORF."

Schausberger will sich nicht "einmischen"

Im Büro von Landeshauptmann Franz Schausberger (V), wo man sich mit einer Reihe von Programmreform-Protestbriefen konfrontiert sieht, zu der die Volksmusikverbände (die Volksmusik-Sendung "G'sungen und G'spielt" wird aufgelassen, Anm.) aufgerufen hatten, war zu erfahren, dass sich das Land in die Programmgestaltung des ORF nicht direkt einmischen wolle. Es werde aber Gespräche mit dem ORF geben. Die Zustimmung des Stiftungsrates des ORF ist für diese Programmreform nicht notwendig, dieser hat die Pläne Nowaks aber zur Kenntnis genommen. (APA)