Mainz - Die kürzlich entdeckte althebräische Königsinschrift, die der erste außerbiblische Beweis für die Existenz des ersten "salomonischen" Tempels in Jerusalem sein soll, sei "mit hoher Wahrscheinlichkeit" eine Fälschung. Dies erklärten laut Kathpress die evangelischen Theologen Wolfgang Zwickel und Reinhard G. Lehmann aus Mainz. Der Fund hatte schon zuvor kontroverse Beurteilungen hervorgerufen.

Die beiden Wissenschafter stützen sich in erster Linie auf eine Untersuchung der Buchstabentypen auf der Sandsteintafel, die aus dem Süden Jordaniens oder aus der Gegend des Toten Meeres stammen soll. Diese seien für unterschiedliche Zeiten charakteristisch. Außerdem fänden sich Worttrennzeichen, die nicht den sonst in dieser Region üblichen Regeln folgten.

Mischung

Satzbau und Wortwahl zeigten darüber hinaus an zwei Stellen Eigenheiten des späten oder gar modernen Hebräisch. Nach Einschätzung von Lehmann und Zwickel ist der Text eine Mischung aus zwei biblischen Texten, die Tempelbau- und Restaurierungsmaßnahmen aus zwei unterschiedlichen Jahrhunderten zum Thema haben.

Jedoch sei es den Fälschern gelungen, Alterungsprozesse an Steinen zu bewerkstelligen, die einen naturwissenschaftlichen Nachweis der Fälschung erschweren oder sogar verhindern, betonten die Forscher. Lehmann ist Spezialist für die althebräische Epigraphik, Zwickel hat als Forschungsschwerpunkte die Biblische Archäologie und die Geschichte Israels.

Die Tafel aus Sandstein enthält zehn Zeilen Text in der Ich-Form, in denen sich König Jehoasch für die Renovierungsarbeiten am Tempel von Jerusalem lobe. Jehoasch war im neunten vorchristlichen Jahrhundert über 40 Jahre König von Jerusalem. Die Szene ist im Alten Testament in Kapitel 12 des 2. Buchs der Könige ausführlich beschrieben. Der Text der Inschrift ist nach Angaben der Entdecker zum Teil identisch mit dem Wortlaut der biblischen Beschreibung. (APA)