Wien - Der europäische Autohandel steht vor tief greifenden Strukturveränderungen: In den nächsten Jahren werden kapitalkräftige Konzerne und Händlergruppen ein Fünftel des heute noch vom Mittelstand dominierten Autohandels an sich reißen, rund 40 Prozent der Filialen werden wegrationalisiert werden. Dies ist das Resümee einer am Freitag vorgestellten Mercer-Studie. Die internationale Unternehmensberatung hat für ihre Analyse "Automobilvertrieb 2010" 3.000 Kunden in Europa und den USA sowie 60 Manager befragt.

Neben den heute eng an die Konzerne gebundenen Markenhändlern "werden in den nächsten Jahren Megadealer und Autohändlerketten entstehen, und Low-Cost-Marken werden werden sogar in Supermärkten erhältlich sein", schreibt Mercer Management Consulting. 2010 würden diese "Megadealer und Händlerketten" einen Anteil von 20 Prozent am Neuwagenmarkt haben, keine Automarke werde es sich leisten können auf diesen Absatzkanal zu verzichten.

Weitere 20 Prozent des Absatzes könnten zu diesem Zeitpunkt von den Autoherstellern direkt kontrolliert werden, bis zu 10 Prozent des Marktes könnten sich Supermärkte und Internethändler teilen. Nur 50 bis 60 Prozent des Neuwagengeschäfts verbleiben in diesem Szenario beim traditionellen Autohandel. Bei den mittelständischen Autohäusern werde es zu einem "shakeout" unprofitabler Betriebe und zu Übernahmen durch größere Händler und "Megadealer" kommen.

Für Deutschland - spezielle Österreich-Daten sind in der Studie nicht enthalten - rechnen die Consulter damit, dass sich die Zahl der Stützpunkte im Autovertrieb um 40 Prozent von 24.000 auf bundesweit 15.000 verringert. In Österreich gibt es derzeit 2.800 Outlets von Markenhändlern, die - wie in Deutschland - heute noch den Löwenanteil des Neuwagenhandels kontrollieren.

Die künftigen Ertragspotenziale ortet Mercer einerseits in Dienstleistungen vom Leasing bis hin zum Flottenmanagement, auch das Gebrauchtwagengeschäft gewinnt "massiv an Bedeutung und wird zu einem zentralen Erfolgsfaktor und Ertragspotenzial im Automobilhandel". Das Werkstatt- und Teilegeschäft werde dagegen von Fast-Service-Ketten und Zulieferern stark unter Druck kommen, glauben die Mercer-Experten. (APA)