Der international tätige Elektronikkonzern Flextronics , der sein Europa-Hauptquartier in Wien-Schwechat aufgeschlagen hat, ist im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2002/03 um 12 Prozent auf 3,85 Mrd. Dollar (3,58 Mrd. Euro) Nettoumsatz gewachsen. Schließungskosten für Leiterplatten-Töchter in Nordamerika und Schweden haben das operative Ergebnis im dritten Quartal aber leicht in die roten Zahlen rutschen lassen, gab der Konzern bekannt. Auch im steirischen Kindberg, wo Flextronics ebenfalls Leiterplatten fertigt, sind als Folge der Telekom-Flaute in den vergangenen Monaten 200 Jobs verloren gegangen.

"Wir haben getan, was wir tun konnten"

1999 war dieser ehemalige Ericsson-Standort an (die spätere) Flextronics verkauft worden. Von den ursprünglich etwa 350 Beschäftigten sind heute nur mehr etwa 150 Arbeitnehmer übrig - ein beträchtliches Arbeitsmarkt-Problem für Kindberg, wo kommenden März ein weiterer Elektronik-Zulieferer mit 260 Mitarbeitern schließt. "Wir haben getan, was wir tun konnten, ohne die Fabrik kaputtgehen zu lassen", erklärt Peter Baumgartner, bei Flextronics-Europe für für das Personalmanagement von 25.000 Beschäftigten zuständig. Wird die Auftragslage aus der Telekom-Industrie besser, könnten wieder Mitarbeiter aufgenommen werden.

Zweit- bzw. viertgrößtes österreichisches Unternehmen geführt

Der in den vergangenen Jahren rasant gewachsene Auftragsproduzent Flextronics wird in Unternehmensrankings als zweit- (Industriemagazin) bzw. viertgrößtes (Trend) österreichisches Unternehmen geführt, weil das Europa-Geschäft des Konzerns (5,1 Mrd. Dollar Umsatz) von Wien aus gelenkt wird. Nicht einmal tausend der etwa 25.000 europäischen Flextronics-Mitarbeiter arbeiten aber in der Alpenrepublik: Neben den 150 verbliebenen Stellen in Kindberg und 50 Managern in der Zentrale am Flughafen Schwechat beschäftigt Flextronics 600 bis 700 Mitarbeiter in Althofen (Kärnten).

Elektronische Bestandteile für Haushaltsgeräte, Unterhaltungselektronik und die Autoindustrie

Dort fertigt Flextronics elektronische Bestandteile für Haushaltsgeräte, Unterhaltungselektronik und die Autoindustrie. Vor allem aber hat man sich in Althofen-Treibach, einem ehemaligen Philips-Werk, auf Medizinelektronik spezialisiert, ein Wachstumsbereich, für den auch Entwicklungsarbeit geleistet wird. Althofen agiere für den Konzern als "Kompetenzzentrum für medizinische Applikationen", die Fabrik sei "wirtschaftlich gut abgesichert", sagte Baumgartner auf APA-Anfrage. Was die Beschäftigung angehe, solle man sich aber "keine Illusionen machen", "wir haben keine Pläne quantitativ zu wachsen. Es geht in Althofen darum, qualitatives Wachstum und Stabilität darzustellen".

Dem breiten Publikum unbekannt

Flextronics ist ein dem breiten Publikum unbekannter Branchenriese aus Singapur. Die Spezialität des Konzerns (rund 13 Mrd. Dollar Jahresumsatz) besteht darin, im Auftrag großer Konzerne der Elektronik- und Telekomindustrie Bestandteile und ganze Geräte zu herzustellen bzw. zunehmend auch zu entwickeln - etwa Handys für Ericsson, die Microsoft-XBox oder Computer für HP und Dell. Rund 10.000 der weltweit 95.000 Mitarbeiter sind in Ungarn beschäftigt. (apa)