Linz/Wien - Rund eine halbe Million Österreicher, das ist ein Zehntel aller Personen im erwerbsfähigen Alter, verdienen sich mit Schwarzarbeit nebenbei mehr als ein Körberlgeld. Gegenüber 2002 wird der Pfusch im heurigen Jahr um 3,2 Prozent auf 22,5 Mrd. Euro weiter wachsen, hat Univ.Prof. Friedrich Schneider von der Johannes Kepler Universität Linz in vorläufigen eigenen Berechnungen ermittelt. Damit werde die Schattenwirtschaft aufgrund des unverändert hohen Steuer- und Abgabendrucks mehr als doppelt so rasch expandieren als die Prognosen der Wirtschaftsforscher mit 1,5 Prozent Wachstum für die offizielle Wirtschaft erwarten.

Im Vergleich mit dem offiziellen Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde die Schattenwirtschaft im heurigen Jahr mit 10,86 Prozent eine neue Rekordquote erreichen. 2002 lag die Quote noch bei 10,69 Prozent. Im Jahr 1970 war der Pfusch-Anteil mit 1,89 Prozent noch bescheiden, seither ist er jährlich ungebremst angestiegen. 1980 lag die Quote bei 2,69 Prozent, 1990 bei 5,47 Prozent und 2000 bereits bei 9,56 Prozent, um 2001 mit 10,69 Prozent erstmals die Zehnprozentmarke zu überspringen.

Mit Abstand die meisten Schwarzarbeiter ortet Schneider im Bau- und Handwerksgewerbe, inklusive Reparaturen, mit 38 Prozent, während in sonstigen Gewerbe- und Industriebetrieben (Kfz, Maschinen etc.) nur 16 Prozent der Beschäftigten illegal nebenbei verdienen. In der Dienstleistung (Hotels, Gaststätten) liegt der Pfuscheranteil bei 17 Prozent, in der Unterhaltungs- und Vergnügungsbranche bei 14 Prozent und im sonstigen Gewerbe- und Dienstleistungssektor (Nachhilfe, Friseur, Babysitten) bei 15 Prozent.

Von 1990 bis 2003 habe sich sowohl in Gesamtösterreich als auch in speziell untersuchten Bundesländern (Niederösterreich, Oberösterreich, Tirol) die Schattenwirtschaft annähernd verdreifacht. Das werfe die Frage nach der Steuermoral auf. Denn wenn der Pfusch weiterhin so stark zunehme, würden immer weniger Menschen bereit sein, ehrlich ihre Steuern zu zahlen, wenn andere Mitbürger in massivem Ausmaß in Form von Schwarzarbeit Steuern hinterziehen, warnt Schneider. Die Bekämpfung der Schattenwirtschaft müsste an der Ursache, den zu hohen offiziellen Arbeitskosten ansetzen, denn allein durch höhere Strafen sei es nicht getan. (APA)