Bild nicht mehr verfügbar.

Die Weltbörsen werden auch in der kommenden Woche im Banne des Irak-Konflikts bleiben.

Foto: APA/Abrams

Wien – Deutlich beschleunigt hat sich die Abwärtstendenz an den internationalen Leitbörsen in der abgelaufenen Handelswoche. Die Sorgen über einen bevorstehenden Irak-Krieg und der etwas unbefriedigende Verlauf der Berichtssaison belasteten laut Marktteilnehmern das Handelsgeschehen: "Die Kriegsrhetorik und die kommenden Unternehmensergebnisse halten die Märkte bis 27. Jänner in Schach." An diesem Tag steht die Veröffentlichung eines Berichts der UN-Waffeninspektoren über angebliche Massenvernichtungswaffen im Irak an.

Berichtssaison voll im Gange

Voll im Gange ist inzwischen die Berichtssaison zum vierten Quartal 2002 beiderseits des Atlantiks. In den USA überwiegen laut Erste Bank zwar die positiven Überraschungen bei den Unternehmensergebnissen, der kumulierte Gewinn aller Unternehmen liege aber unter den Erwartungen. Zudem sei der Ausblick auf den weiteren Geschäftsverlauf überwiegend "vorsichtig bis enttäuschend" ausgefallen, urteilen die Aktienanalysten des Instituts. Während Johnson & Johnson, Ford oder Motorola mit guten Zahlen aufhorchen ließen, enttäuschten Citigroup, Eastman Kodak oder Nortel Networks.

In Europa war am Parkett ein ähnlicher Grundtenor zu vernehmen: Die Ergebnisse zum vierten Quartal wurden überwiegend postiv aufgenommen, die Börsianer stießen sich an den tendenziell wenig optimistischen Prognosen der Unternehmen. Auf der ganzen Linie enttäuschten die Ergebnisse des Tourismuskonzerns TUI, der wegen des drohenden Irak-Kriegs gänzlich auf einen Ausblick verzichtete. Für die krisengeschüttelte Technologie-Branche scheint aber das Licht am Ende des Tunnels näher zu rücken. Der Handy-Weltmarktführer Nokia und der Elektro-Konzern Siemens präsentierten bessere Geschäftszahlen als erwartet.

Volatilität

Für die kommenden Handelstage rechnen die Analysten der Erste Bank wegen der laufenden Berichtssaison mit weiterhin erhöhter Volatilität an den Aktienmärkten. Charttechnisch signalisierten trendfolgende Indikatoren an den europäischen Börsen weiter fallende Kurse. Günstiger beurteilen die Charttechniker des Instituts die Situation in den USA und Japan.

Blutrote Bilanz

Ein Wochenvergleich der Leitindizes offenbart eine blutrote Bilanz: Der DAX rutschte bis 17:00 Uhr um 5,8 Prozent auf 2.748 Punkte ab, der Eurostoxx-50 ermäßigte sich um 6,0 Prozent auf 2.246 Zähler. Die Londoner Börse verzeichnete am Freitag mit dem bereits zehnten Verlusttag in Folge einen neuen Negativrekord. Allein in dieser Woche sank der FTSE-100 um 5,8 Prozent auf 3.600 Einheiten.

Etwas geringer fielen die Verluste in New York aus, wo der Dow Jones um 4,1 Prozent auf 8.236 Einheiten sank. Gegen den Trend legte die Tokioter Börse leicht zu, der Nikkei-225 schloss am Freitag mit 8.732 Punkten um 0,5 Prozent höher als in der Vorwoche.

Wien ist anders

Der drohende Irak-Krieg scheint seine Schatten derzeit nur an den internationalen Börsenplätzen voraus zu werfen. Denn in Wien kletterten die Aktienkurse auch in dieser Woche weiter nach oben: Verglichen mit dem Schlussstand der Vorwoche stieg der Leitindex ATX um 2,1 Prozent auf 1.187,79 Punkte. Besonders gut in Szene setzten sich Böhler-Uddeholm, Generali und BBAG. Letztere schäumte mit einer Serie von Alltimehighs über, nachdem von den BBAG-Kernaktionären erstmals die Bereitschaft signalisiert worden war, auch die Mehrheit abzugeben. In der kommenden Woche sehen die Analysten der Erste Bank die Wiener Börse "bullisher als den Rest der Welt". Für die nächsten Handelstage bis Freitag lautet ihre ATX-Prognose auf 1.174 bis 1.200 Punkte. Wien – so die Einschätzung der Experten – sollte sich inmitten turbulenter Zeiten weiter als "sicherer Hafen" erweisen. (APA)