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Javier Solana: "Ich glaube, wir müssen uns, was Erklärungen und Ähnliches angeht, etwas beruhigen, um die Situation rational zu betrachten"

Foto: REUTERS/Stephen Hird

Athen/New York - Der außenpolitische Koordinator der Europäischen Union (EU), Javier Solana, hat die USA und EU nach den jüngsten Differenzen über einen Irak-Krieg aufgefordert, sich wieder zu beruhigen. "Ich glaube, wir müssen uns, was Erklärungen und Ähnliches angeht, etwas beruhigen, um die Situation rational zu betrachten", sagte Solana am Freitag in Athen. "Wir sind Verbündete der USA. Wir haben eine sehr tiefe Freundschaft mit den USA und wir müssen alles tun, um diese Beziehung zu erhalten." Das renommierte "Wall Street Journal" hat unterdessen Deutschland und Frankreich wegen ihrer Haltung in der Irak-Frage hart angegriffen.

"US-Recht auf Selbstverteidigung"

Die Deutschen und Franzosen sollten vorsichtig sein, wenn sie sich Unabhängigkeit von den USA wünschten, warnte das konservative New Yorker Blatt am Freitag in einem Leitartikel. Der Kommentator warnte mit Blick auf Frankreich, wenn ein Land sein Vetorecht bei der UNO dazu nutze, um sich gegen das US-Recht auf "Selbstverteidigung" zu stellen, würden viele Amerikaner künftig nicht mehr bei der Verteidigung dieses Landes helfen wollen.

"Wir werden uns in Europa für Hilfe an jene Länder wenden und jenen Ländern im Gegenzug helfen, die auf der Seite Amerikas stehen", betonte das Blatt. Besonders scharf ging der Kommentator mit Frankreich ins Gericht. Zum Streit um die UN-Resolution 1441 stellte er sich die Frage, "ob die Franzosen lesen können". Sie "sollten vielleicht die Resolution lesen, die sie geschrieben haben". In dem UN-Beschluss vom November werden dem Irak "ernsthafte Konsequenzen" für den Fall angedroht, dass das Land die UN-Abrüstungsauflagen nicht erfüllt. Frankreich lehnt jedoch einen Krieg zum jetzigen Zeitpunkt ab und hat sein Veto im UN-Sicherheitsrat angedroht, falls es zu einer Abstimmung kommen sollte.

"Standards für Loyalität"

"Vielleicht haben die Bildungsstandards in Paris nachgelassen", spekuliert das "Wall Street Journal". In jedem Fall seien die "Standards für Loyalität" gesunken. Das Blatt wirft Frankreich vor, Missachtung für die internationale Gemeinschaft an den Tag zu legen und den irakischen Machthaber Saddam Hussein zu weiterem Widerstand gegen die UN-Auflagen zu ermutigen. US-Präsident George W. Bush werde durch die französische Haltung in eine Lage gebracht, in der ihm nichts anderes übrig bleibe, als alleine zu handeln und damit die "Nutzlosigkeit" des Sicherheitsrats aufzuzeigen. (APA/Reuters)