Belgrad - Der serbische Ultranationalist Vojislav Seselj wird einem Medienbericht zufolge vom UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag angeklagt. Die Anklageschrift werde den Belgrader Behörden bis spätestens 31. März zugestellt, berichtet die Belgrader Wochenzeitschrift "NIN" in ihrer aktuellen Ausgabe unter Berufung auf einen namentlich nicht genannten Spitzenpolitiker der serbischen Regierungskoalition (DOS) und westliche Diplomatenkreise in Belgrad.

Nach diesem Bericht sei die Veröffentlichung der Anklage gegen den Vorsitzenden der Serbischen Radikalen Partei (SRS) von der Bewertung "innerer und äußererer Verhältnisse" abhängig. Seselj hatte in dieser Woche gegenüber Medien seine Bereitschaft bekundet, sich dem UNO-Tribunal gleich nach der Veröffentlichung der Anklage zu stellen. Er würde nie zulassen, von den "dosmanischen" (abgeleitet von DOS, Anm.) Behörden festgenommen und überstellt zu werden, meinte er.

Seselj wird als Teilnehmer an "gemeinsamen verbrecherischen Vorhaben" genannt

Der Name von Seselj, dem einstigen "Lieblings-Oppositionspolitiker" von Slobodan Milosevic, schien bisher in den Anklagen des UNO-Tribunals gegen den früheren jugoslawischen Präsidenten auf. Seselj wird als Teilnehmer an "gemeinsamen verbrecherischen Vorhaben" genannt. Die SRS ist inzwischen zur größten Oppositionspartei in Serbien geworden und wird laut Meinungsumfragen von etwa zwölf Prozent der Bürger unterstützt.

Eine etwa gleich hohe Unterstützung hat derzeit die Demokratische Partei (DS) des serbischen Ministerpräsidenten Zoran Djindjic. In serbischen Regierungskreisen wird Seselj als anhaltende Bedrohung für die Reformprozesse betrachtet. Die Popularität Seseljs erlebte im vergangenen Herbst erneut einen rasanten Anstieg, als er für seine Präsidentschaftskandidatur in Serbien auch die Unterstützung von Milosevic bekommen hatte.

Die kroatische Wochenzeitschrift Globus hatte neulich den Inhalt eines Telefongespräches zwischen Seselj und dem ehemaligen kroatischen Serbenführer Milan Martic aus dem Frühjahr 1995 abgedruckt, in welchem der Ultranationalist die Krajina-Serben zur Bombardierung von Zagreb aufgefordert hatte. (APA)