Bild nicht mehr verfügbar.

Foto: APA/Schneider

Im Konflikt um die "Kronen Zeitung" haben sich Hans Dichand und die WAZ (Westdeutsche Allgemeine Zeitung) am Freitag auf die künftige Führungsstruktur von Österreichs größter Tageszeitung geeinigt. Hauptgeschäftsführer, Herausgeber und Chefredakteur Hans Dichand hat sich mit seinem Wunsch, seinen Sohn Christoph per 1. Februar zum neuen Chefredakteur zu bestellen, durchgesetzt. Die deutsche WAZ darf dafür bis 15. Februar einen geschäftsführenden Chefredakteur aus dem Kreis führender "Krone"-Journalisten wählen.

Dreier-Vorschlag

Die WAZ wird dabei auf einen gemeinsam ermittelten Dreier-Vorschlag zurückgreifen. Für die Funktion des geschäftsführenden Chefredakteurs kommen demnach die stellvertretenden "Krone"-Chefredakteure Christoph Biro und Georg Wailand sowie Klaus Herrmann, Chef der Oberösterreich-"Krone" in Frage. Die WAZ hat nun bis Mitte Februar Zeit, einen der drei zu ernennen. Dichand senior zieht sich Anfang Februar aus der Chefredaktion zurück, soll aber "auf Lebenszeit" Hauptgeschäftsführer und Herausgeber des Blattes bleiben.

Christoph Biro

Der aus der Industriellen-Dynastie der Waagner-Biros stammende Christoph Biro startete seine journalistische Laufbahn bei der "Presse" und heuerte 1981 bei der "Krone" in Wien an. 1991 wechselte er an die Spitze der Kärntner "Krone", 1997 wurde er als stellvertretender Chefredakteur nach Wien geholt.

Georg Wailand

Georg Wailand begann 1963 als Sportredakteur und trat 1970 in die Wirtschaftsredaktion der Tageszeitung "Express" ein, von wo aus er ein Jahr später zur "Krone" ging. Seit 1974 ist er dort Wirtschafts-Ressortleiter, seit 1982 auch Herausgeber des Monatsmagazins "Gewinn". 1991 avancierte er zum stellvertretenden "Krone"-Chefredakteur. Für Aufsehen sorgte Wailand als Libro-Aufsichtsrat. Kritiker sahen darin eine "Unvereinbarkeit".

Klaus Herrmann

Klaus Herrmann wiederum ist seit 1980 für die "Krone" tätig. Er war Chef vom Dienst bei der "Steirerkrone" und wechselte 2000 als Chefredakteur zur Oberösterreich-Ausgabe der Massenzeitung.

"Friedenspfeife"

Seit Donnerstag haben Hans und Christoph Dichand mit den WAZ-Geschäftsführern Erich Schumann und Bodo Hombach in Wien verhandelt. Freitagnachmittag konnte man schließlich die "Friedenspfeife rauchen". Für die neue Führungsstruktur wurde eine Konstruktion beschlossen, wie es sie vor Jahren bereits zwischen Hans Dichand und Friedrich "Bibi" Dragon gab. Auch Dragon fungierte damals neben Dichand senior als geschäftsführender Chefredakteur. "Der Chefredakteur und der geschäftsführende Chefredakteur üben die Personalhoheit gemeinsam aus", hieß es dazu in einer gemeinsamen Erklärung nach der Kompromissfindung.

Man gibt sich versöhnlich

Auch sonst gab man sich nach dem medialen "Stahlgewitter" der vergangenen Tage versöhnlich. "Die Dichand-Gruppe und die WAZ-Mediengruppe sind überzeugt, mit dieser einvernehmlich gefunden Lösung den Erfolg der 'Kronen Zeitung' für die Zukunft gesichert zu haben. Die 'Kronen Zeitung' bleibt die unabhängige Zeitung der Österreicher", ist in der Mitteilung zu lesen, die von den Verhandlungsteilnehmern auch persönlich unterschrieben wurde. Auch die Meinungsverschiedenheiten über den wirtschaftlichen Kurs seien ausgeräumt worden. Von der WAZ kam zuletzt ja heftige Kritik, dass das Ergebnis der "Krone" eingebrochen sei und nicht den Konzern-Standards entspreche. Dichand habe diese Vorwürfe "widerlegt" und auf einen Reingewinn von etwa 30 Millionen Euro im Jahr 2002 verwiesen.

"Gesicht wahren"

Kenner des Hauses sehen damit einen tragfähigen Kompromiss erzielt, der beide Seiten das "Gesicht wahren" lässt, Beruhigung in den Verlag bringt und "gut für die Zeitung" ist. Zugleich wird darauf hingewiesen, dass sich Dichand damit bereits im dritten "Zeitungskrieg" durchgesetzt habe. Nach den gerichtlichen Auseinandersetzungen um die Olah-Affäre und dem Zerwürfnis mit seinem früheren Kompagnon Kurt Falk konnte Dichand senior nun seinen Willen in Form seines Sohnes Christoph auch gegen seine deutschen Partner durchbringen. (APA)