Wien - Dem Liechtenstein-Museum, das am 28. März 2004 sein Haus (als Konkurrenz zum Kunsthistorischen Museum) eröffnen wird, gelang ein Überraschungscoup: Direktor Johann Kräftner ersteigerte bei der Altmeister-Aktion von Sotheby's am Donnerstag in New York das Porträt eines unbekannten Herren von Frans Hals (1582/3-1666).

Das Bildnis ist in Wien keineswegs unbekannt: Es hing ein halbes Jahrhundert im KHM. 1998 wurde es zusammen mit zwei weiteren Gemälden von Frans Hals und Tausenden anderen Preziosen an die Rothschilds restituiert.

1938 waren die Kunstsammlungen der Bankiersfamilie von den Nationalsozialisten beschlagnahmt worden. Nach dem Zweiten Weltkrieg presste man den in die USA emigrierten Rothschilds die wertvollsten Objekte ab - im Gegenzug für eine Ausfuhrbewilligung der Sammlung.

Wenige Monate nach der Rückgabe, im Juli 1999, ließ die Familie die Kunstgegen-stände in London versteigern: Das Porträt von Frans Hals ging um 2,2 Millionen Pfund an einen Sammler. Was ihn bewogen hat, das Bild zu veräußern, ist unbekannt. Er erlitt aber einen herben Verlust: Das Liechtenstein-Museum erwarb das Bildnis nun um 2,7 Millionen Euro - umgerechnet 1,8 Millionen Pfund. (trenk/DER STANDARD; Printausgabe, 25.01.2003)