Wien - Die Musik wabert wagnerisch; nun ja, tief ist er in die Musik des Bayreuther Meisters eingetaucht, dieser Eugen d'Albert, den es unentwegt zwischen Komponiertisch und Pianistentum schleuderte. Allein, mit zeitlichem Abstand löst sich der Vorwurf der Eklektik auf und wird zur Erkenntnis, dass es sich auch auf dem Schoß eines Originals sitzend glaubhaft komponieren lässt.

Das macht den Blick frei für die Qualitäten von Tiefland, dieser siebenten von 21 Opern d'Alberts; man erlauscht die raffinierte Farbpracht der Partitur und bemerkt, wie viel Sorgfalt in die Zeichnung der Charaktere investiert wurde. Damit diese Qualitäten die Konzertwirklichkeit erreichen, bedarf es allerdings einer konditionsstarken Luxusbesetzung, wie sie im Konzerthaus aufgeboten wurde.

Vor allem abendfüllend der "Dialog" zwischen Johan Botha (als Pedro) und Falk Struckmann (als Sebastiano). Frappant die vokale Intensität, wobei bei Botha die ungefährdete Strahlkraft der Töne und bei Struckmann auch die Unmittelbarkeit des Ausdrucks hervorzuheben sind. Die Dame, um die sich beide zanken, Marta, konnte nicht ganz mithalten. Aber man muss vor der etwas zu schriller Schärfe neigenden Lisa Gasteen den Hut ziehen, dass sie ohne Kräfteschonung an die Partie herangegangen ist. Schöne Eindrücke an der Nebenfront dieser Opernschlacht durch Kwangchul Youn (als Tommaso) und Adriane Querioz (als Nuri).

Und zweifellos: Differenziert, impulsiv und nur in lauten Momenten etwas gar risikofreudig Dirigent Bertrand de Billy mit seinem RSO-Wien, dem man die Existenzsorgen nicht anhört. (tos/DER STANDARD; Printausgabe, 25.01.2003)