Bozen/Innsbruck - Lkw-Schadstoffe haben in engen Alpentälern bis zu dreifach höhere Immissionen zur Folge als im Flachland. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Schweizer Ökoscience-Instituts im Auftrag der Länder Tirol und Südtirol. Grund dafür ist der schlechtere Luftaustausch, die klimatischen Verhältnisse führen zu stark unterschiedlichen und zeitverzögerten Belastungen.

Im Winterhalbjahr ist aufgrund der häufigen Inversionswetterlagen die Luft für Mensch und Natur oft dicker als sommers. Nachts sorgen ruhigere Wettersituationen oft trotz geringen Emissionsnach-schubs für eine stabile Schad-stoffglocke.

Die Studienautoren leiten daraus Berechnungen ab, wonach trotz technischer Verbes-serungen der Lkw-Motoren die Stickoxidemissionen etwa im Inntal voraussichtlich weiter steigen werden. Für die Untersuchung wurden Daten aus dem Zeitraum Herbst 1998 bis Ende 2000 aus dem Unterinntal, dem Eisacktal zwischen Sterzing und Bozen und aus drei Schweizer Alpentälern ausgewertet.

Die vorgeschlagenen Gegenstrategien sind bekannt: Nachtfahrverbote für Lkw, beziehungsweise sektorale Fahr-verbote für Massengüter wie etwa Schrott und Müll.

Bei der Präsentation der Studie haben die beiden Umweltlandesräte Michael Laimer (Südtirol) und Hannes Gschwentner (Tirol) in Bozen eine Resolution unterzeichnet, die neben "wirksamen Sofortmaßnahmen" eine EU-Wegekostenrichtlinie einfordert, die den topografischen und meteorologischen Gegebenheiten gerecht wird.

Gschwentner verlangt von der Bundesregierung, bei der EU darauf zu drängen, den gesamten Alpenbogen (wie in der Alpenkonvention festgelegt) als "sensible Zone" zu behandeln und nicht länger auf einer "sensiblen Zone Österreich" zu beharren. (hs/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25./26. 1. 2003)