Den Haag/Wien - Jetzt ist Königin Beatrix am Wort: Am Freitag hat sie den ersten Parteisprecher nach den Mitte der Woche geschlagenen niederländischen Wahlen empfangen. Jan Peter Balkenende, der Premier und Chef der mandatsstärksten Christdemokraten (CDA), empfahl dem Staatsoberhaupt im Haager Königspalast Huis ten Bosch, seine Partei mit der Führung der Regierungsgespräche zu betrauen. Dass er tatsächlich auch zum "Formateur" des Kabinetts erkoren wird, ist wahrscheinlich. Zuvor wird sich die Monarchin allerdings noch mit den Sprechern aller anderen Parlamentsparteien ins Einvernehmen setzen.

Auf Balkenende warten "Sondierungen", die der schweren Regierungsgeburt hierzulande kaum nachstehen werden. Das reine Verhältniswahlrecht in den Niederlanden macht die Lage mindestens so unübersichtlich und bringt die Sieger in arge Nöte. Absolute Mehrheiten liegen kaum in Reichweite, auch die relativen Mehrheiten der Parteien fallen meist bescheiden aus. So sind sie von vornherein zu Koalitionen in der Zweiten Kammer der "Generalstaaten" gezwungen.

Balkenende hat sich vor dem Wahlgang für ein Bündnis seiner CDA mit den Rechtsliberalen (VVD) ausgesprochen. Das geht sich nun nicht aus. Eine christlich-liberale Koalition mit VVD und der zentristischen D66 indes hätte eine Mehrheit von drei Sitzen. Die D66 aber hat sich bereits selbst aus dem Rennen genommen, einen Mandatsverlust empfinde man nicht als Regierungsauftrag, hieß es.

Dass es Balkenende noch einmal mit der rechtspopulistischen Liste Pim Fortuyn versuchen könnte, ist für die meisten Beobachter ausgeschlossen. Deren offensichtlicher Selbstzerstörungsdrang könnte bei allfällig bald wieder notwendigen Neuwahlen auf die CDA zurückfallen.

Es bleibt also nur eine große Koalition mit den Sozialdemokraten des "leckeren Wouter" Bos. Nach deren fulminantem Wahlerfolg (plus 19 Mandate) erklärte Balkenende sofort, er traue Bos nicht über den Weg. Und auch dessen Begeisterung hält sich in Grenzen. Beide wissen, dass eine große Koalition das weiter vorhandene Protestpotenzial in den Niederlanden neuen Populisten vom Schlage Pim Fortuyns zutreiben wird. (Christoph Prantner/DER STANDARD, Printausgabe, 25./26.1.2003)