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Jacques Chirac lädt ein, Robert Mugabe wird erhobenen Hauptes kommen

Foto: APA/AFP/Philippe Desmazes

Anlass für postkoloniale Meinungsverschiedenheiten zwischen den EU-Staaten dürfte am Montag in Brüssel Simbabwes autoritärer Herrscher Robert Mugabe bieten. Die Europäer hatten vor knapp einem Jahr - vor allem auf Drängen Londons - gemeinsam ein Einreiseverbot gegen den 77-jährigen und seine Regierung verhängt. Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac lud Mugabe nun nach Paris zum Frankreich-Afrika-Gipfel ein.

Die EU-15 hatten das Mugabe-Regime wegen Menschenrechtsverletzungen - insbesondere der gewalttätigen Enteignung von weißen Farmern - unter Einreisebann gestellt. Der entsprechende EU-Rechtsakt ist aber bis 18. Februar befristet und müsste daher vom EU-Außenministerrat am Montag verlängert werden.

Schon vor einer gemeinsamen Entscheidung ließ Chirac Mugabe am Donnerstagabend eine Einladung nach Paris zukommen - formell korrekt, beginnt doch der Frankreich-Afrika-Gipfel erst am 19.2. Paris rechtfertigt den Besuch zudem damit, dass der EU-Bann Ausnahmen vorsieht, wenn es um einen Dialog zur Förderung der Demokratie geht.

In London ist man darüber "not amused", machte aber auch nicht von der Vetomöglichkeit gegen die französische Einreiseerlaubnis Gebrauch. Großbritannien will sicher stellen, dass die anderen 14 EU-Staaten am Montag überhaupt die Sanktionen verlängern - wenn auch mit der alten Ausnahmeklausel.

Frankreich wiederum weiß die portugiesische Regierung auf seiner Seite: In Lissabon soll im April der große EU-Afrika-Gipfel mit einer Reihe von afrikanischen Staatschefs stattfinden. Aus deren Büros hat die EU freilich bereits erfahren, dass der Gipfel platzen wird, wenn Mugabe nicht eingeladen würde. In Brüssel werden damit Erinnerungen an den Johannesburger UN-Nachhaltigkeitsgipfel im September wach, bei dem sich die Afrikaner schon einmal mit Mugabe solidarisiert und seinen europäischen Kritikern das böse Wort vom "Neokolonialismus" entgegen geschmettert hatten.

Nach Aussagen hoher Brüsseler Diplomaten hatte sich für den Lissabon-Gipfel bereits ein Kompromiss angebahnt: Die EU lädt Mugabe ein, der aber kommt dann nicht. Chiracs Einladung versperrt diese Lösung wieder: "Die Afrikaner finden es unlogisch, dass Mugabe nach Paris darf, aber nicht nach Lissabon", so ein EU-Diplomat.