Bild nicht mehr verfügbar.

(zum Vergrößern)

Foto: APA/AFP/Luke Frazza

Donald Rumsfelds Reaktion auf die Bedenken Frankreichs und Deutschlands, an einem Krieg gegen den Irak teilzunehmen, ist nicht nur in Europa selbst, sondern auch in Washington auf Widerstand gestoßen: Im US-Außenministerium wurden seine Äußerungen hinter vorgehaltenen Händen als kontraproduktiv bezeichnet. Es ist auch nicht das erste Mal während der vergangenen Tage, dass der 70-jährige ehemalige Nato-Botschafter ins Fettnäpfchen tritt: Vor kurzem musste sich Rumsfeld bei Veteranengruppen für eine Äußerung entschuldigen, wonach Wehrpflichtige für das US-Militär "keinen Wert" hätten.

Der von seinen Freunden als "Rummy" bezeichnete Politiker gilt in Washington als die absolut letzte Instanz, wenn es um die Strategie geht, die in einem möglichen Krieg gegen den Irak zur Anwendung kommen könnte: "Ob Sieg oder Niederlage, das ist Rumsfelds Krieg", schreibt das Magazin Time.

Das ist ein Umstand, der nicht allen Militärs zur Freude gereicht. General Norman Schwarzkopf, der Golfkriegsheld von 1991, wird etwa "ner- vös", wenn er daran denkt, dass der Verteidigungsminister die Aufstellung der Truppen höchstpersönlich vornehmen könnte: "Es sieht so aus, als fühlte sich Rumsfeld zu 100 Prozent für alles verantwortlich - zum Kummer der Streitkräfte."

Der Angriff auf Pearl Harbor im Jahr 1941 hinterließ einen bleibenden Eindruck auf den 1932 in Chikago geborenen Donald Rumsfeld. Sein Vater, ein Immobilienhändler, wurde eingezogen und musste im Pazifik kämpfen. Rumsfeld studierte in Princeton und verbrachte drei Jahre als Marinepilot in der US Army. 1962 kandidierte er zum ersten Mal für den Kongress und wurde als 30-Jähriger Abgeordneter. Unter Präsident Richard Nixon wurde er Nato-Botschafter, dessen Nachfolger Gerald Ford machte ihn mit 43 zum jüngsten Verteidigungsminister der USA (heute ist er der älteste).

Nach 1977 zog sich Rumsfeld in die Privatwirtschaft zurück und kehrte de facto erst wieder als Verteidigungsminister unter George W. Bush in die politische Arena zurück. Im Pentagon ist es eines seiner wichtigsten Anliegen, den Einfluss der Zivilisten (sprich: Politiker) auf das Militär zu stärken.

Mit Vizepräsident Dick Cheney verbindet ihn nicht nur ein Gleichklang der äußerst konservativen Weltanschauung, sondern auch eine 35 Jahre alte Freundschaft. Wenig Zeit bleibt dem Workaholic Rumsfeld für Hobbys: Meistens ist er bereits um halb sieben Uhr früh im Pentagon anzutreffen, arbeitet zwölf Stunden und nimmt sich noch Arbeit mit nach Hause. Mit seiner Frau Joyce, die er in der Highschool kennen gelernt hat, ist er 48 Jahre verheiratet. Die beiden haben drei Kinder und fünf Enkel. (Susi Schneider/DER STANDARD, Printausgabe, 25./26.1.2003)