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Die Wachsnachbildungen eines Gesichts und einer Hand zweier Leprakranker sind zwei der Exponate des einzigen deutschen Lepramuseums im Münsteraner Stadtteil-Kinderhaus.

apa/dpa/thissen

Eschborn - Trotz starker Bemühungen ist die Lepra-Krankheit nach Auskunft der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) noch lange nicht ausgerottet. "In den letzten Jahren wurden so viele neue Lepra-Kranke entdeckt und behandelt wie nie zuvor in der Geschichte der Menschheit", sagte der Arzt Andreas Kalk von der GTZ zum Welt-Lepra-Tag am Sonntag.

Ein Grund sei ein immer besser funktionierendes Meldesystem. 650.000 bis 800.000 neue Fälle würden jedes Jahr registriert. Mehr als 80 Prozent leben laut Kalk in Indien und Brasilien, die übrigen meist in Südostasien oder Afrika.

Hat nichts mit Hygiene zu tun

"Lepra ist zwar eine Krankheit der Armen, das hat aber wenig mit Hygiene zu tun", betonte Kalk. Der Krankheitserreger - ein Bakterium - werde vielmehr als Tröpfcheninfektion übertragen und verbreite sich besonders leicht dort, wo viele Menschen auf engem Raum zusammenlebten. Seit etwa zwanzig Jahren sei die Krankheit, die die Nerven schädigen und somit zu Gefühl-, Bewegungslosigkeit und auffälligen Verstümmelungen führen kann, mit Antibiotika heilbar.

"Lepra ist kein medizinisches Problem, sondern ein Problem menschlichen Verhaltens", betonte Kalk. Das Antibiotikum müsse ein halbes bis ein Jahr lang regelmäßig eingenommen werden. Viele Menschen in den Entwicklungsländern gingen zudem erst zum Arzt, wenn ihre Nerven schon stark geschädigt seien. Dann könne der Erreger zwar noch beseitigt werden. Die nervlichen Schäden blieben jedoch.

Ausbruch nach Jahren

Lepra bricht Kalk zufolge durchschnittlich vier Jahre nach der Ansteckung aus, es könne aber auch bis zu vierzig Jahren dauern. Die Krankheit äußere sich zunächst in kleinen tauben Flecken auf der Haut. Ein Schwerpunkt der Lepra-Bekämpfung sei daher die Information der Menschen, damit sie bei solchen Symptomen sofort zum Arzt gehen.

Die GTZ GmbH - ein Bundesunternehmen für internationale Zusammenarbeit in Eschborn bei Frankfurt - engagiert sich nach eigenen Angaben in rund hundert Ländern in Gesundheitsprojekten. Bei der Lepra-Bekämpfung würden Gesundheitszentren vor allem in Indien und Afrika unterstützt. (APA)