Davos - Die Schweiz ist bereit, ein "Treffen der letzten Chance" zwischen den USA und dem Irak zu organisieren. Diesen Vorschlag hat Außenministerin Micheline Calmy-Rey ihrem US-amerikanischen Amtskollegen Colin Powell beim Weltwirtschaftsforum in Davos gemacht. Eine Antwort von Powell habe sie nicht erhalten, sagte Calmy-Rey am Samstag nach dem Gespräch vor der Presse. Das Treffen mit Powell dauerte mehr als eine halbe Stunde. Calmy-Rey legte dabei dem US-Außenminister die Position der Schweiz zu einem möglichen Militärschlag gegen den Irak dar.

"Wenn alle von Öl und Sanktionen sprechen, geht es uns um die Menschen", sagte Außenministerin Calmy-Rey in Davos. Aus diesem Grunde vertrete die Schweiz die Ansicht, dass es vor einem allfälligen Militärschlag gegen den Irak eine zweite Resolution des UNO-Sicherheitsrates geben müsse. "Die zweite Resolution muss die vollständige Einhaltung des humanitären Völkerrechtes beinhalten", erklärte Calmy-Rey. Bei der militärischen Planung gelte es zudem, die Bedürfnisse der Hilfsorganisationen zu berücksichtigen. Wenn die UNO-Inspektoren mehr Zeit brauchten, müsse man ihnen diese Zeit gewähren.

Die Schweiz als Land des Roten Kreuzes sei der Tradition der Humanität verpflichtet, sagte Calmy-Rey weiter. Dazu gehöre auch, dass immer wieder die guten Dienste zur Vermittlung angeboten würden. Sie habe Powell deshalb den Vorschlag gemacht, "ein Treffen der letzten Chance" in der Schweiz zu organisieren. Es müssten alle diplomatischen Möglichkeiten vor einem Militärschlag ausgeschöpft werden. Die Schweiz hat ein solches Treffen bereits vor dem Golfkrieg von 1991 durchgeführt, damals allerdings ohne positiven Ausgang. Ene Antwort von Powell habe sie nicht erhalten, sagte Calmy-Rey. Der Aussenminister habe aber erklärt, die USA versuchten, den Krieg zu vermeiden und das humanitäre Völkerrecht einzuhalten. Er legte die Argumente der USA für den Druck auf den Irak dar.

US-Außenminister Colin Powell hat die Möglichkeit einer allerletzten Krisenkonferenz mit Irak in der Schweiz heruntergespielt. Die Schweiz habe kein formelles Angebot als Gastgeber unterbreitet, sagte Powell am Samstag am Rande des Weltwirtschaftsforums im schweizerischen Davos. Ein Sprecher des Schweizer Außenministeriums hatte mitgeteilt, Außenministerin Micheline Calmy-Rey habe Powell eine solche Konferenz in der neutralen Schweiz vorgeschlagen. Powell sagte vor Journalisten, Calmy-Rey habe lediglich auf frühere irakisch-amerikanische Gespräche in der Schweiz hingewiesen.

Bereits vor dem Golfkrieg 1991 hatte der damalige US-Außenminister James Baker mit einem Vertreter der irakischen Führung in Genf gesprochen, was aber nicht zur Beilegung der Krise führte.(APA/sda/Reuters)