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Früherer bosnisch-serbischer Militärführer Ratko Mladic

reuters/VASILJEVIC

Belgrad - Der jugoslawische Außenminister Goran Svilanovic hat am Sonntag die Frage der "Durchführbarkeit" der Festnahme des früheren bosnisch-serbischen Militärführers Ratko Mladic aufgeworfen. Es gebe mehrere Probleme im Zusammenhang mit den Forderungen nach einer Festnahme von Mladic. Zuerst einmal gelte es festzustellen, wo genau er sich aufhalte, sagte Außenminister Svilanovic gegenüber der Tageszeitung "Politika".

Mladic war im Jahre 1995 vom UNO-Kriegsverbrechertribunal wegen mehrjährigen Granatenbeschusses von Sarajewo sowie des Massakers in der Bosniaken-Enklave Srebrenica angeklagt worden. Jahrelang hatte er ungehindert in einem Belgrader Villenviertel in nächster Nähe etlicher westlicher Botschafter gelebt.

Festnahme übersteigt Fähigkeiten heimischer Dienste

Er verfüge über Informationen, wonach eine eventuelle Festnahme von Mladic, solle er sich tatsächlich in Serbien aufhalten, zur Zeit die Fähigkeiten der heimischen Dienste übersteige, präzisierte Svilanovic. "Dies müsste auch von jenen verstanden werden, die uns helfen könnten", meinte der Außenminister.

Der serbische Ministerpräsident Zoran Djindjic hatte am letzten Dienstag westliche Nachrichtendienste zur Hilfe bei der Feststellung des Verstecks von Mladic aufgefordert. Djindjic hatte am Samstag Berichte, wonach Belgrad ganz genaue Informationen über den Bewegungsraum von Mladic besitze, als Gerüchte abgetan.

Blutiger Verlauf

Es wird allgemein angenommen, dass ein Versuch einer Festnahme von Mladic äußerst blutig verlaufen dürfte. Außerdem genießt der frühere bosnisch-serbische Militärführer weiterhin breite Unterstützung unter jugoslawischen Offizieren, von denen etliche seine einstigen Kriegsgefährten waren. Vom jugoslawischen Staatschef Vojislav Kostunica wird die Festnahme von General Mladic nicht unterstützt.

Die Bundesrepublik Jugoslawien habe bereits sehr viel zur Zusammenarbeit mit dem UNO-Kriegsverbrechertribunal getan. Es sei "höchste Zeit, dass auch das Tribunal etwas unternimmt", erklärte Kostunica bei einem Führungstreffen seiner Demokratischen Partei Serbiens am Samstag. Auch könne Jugoslawien nicht anhaltend eine Geisel des Tribunals in seiner Bemühung sein, die eigene Existenz zu rechtfertigen, meinte Kostunica. (APA)