Der in Turbulenzen geratene deutsche Telefondienstleister Mobilcom findet keine Ruhe. Der umstrittene und unter dem Verdacht der Untreue stehende Gründer und Großaktionär des Unternehmens, Gerhard Schmid, kündigte im Nachrichtenmagazin "Focus" überraschend sein Erscheinen auf der am (morgigen) Montag in Hamburg stattfindenden Hauptversammlung der Anteilseigner an. Zugleich griff der einstige Unternehmenschef seine Nachfolger in der Geschäftsleitung scharf an.

Rettungsplan

Auf der außerordentlichen Hauptversammlung wollen die Aktionäre den Rettungsplan beschließen, den Unterhändler Dieter Vogel mit dem bisherigen Hauptaktionär France Telecom, Banken, Lieferanten und dem Staat ausgehandelt hatte. Eine Zustimmung gilt als wahrscheinlich, da ansonsten der Bestand des Unternehmens gefährdet wäre.

Nach dem Rettungsplan musste Schmid die Verfügungsgewalt über seinen Aktienanteil in Höhe von 42,4 Prozent dem als Treuhänder eingesetzten Ex-RTL-Chef Helmut Thoma übertragen. Das Sanierungskonzept sieht die Übernahme von rund sieben Milliarden Euro Schulden durch die France Telecom vor. Im Gegenzug soll Mobilcom auf alle Ansprüche an das französische Unternehmen verzichten und den Aufbau seines UMTS-Netzes einfrieren.

"Kurz vor dem Herzinfarkt"

Schmid will sich offenbar nicht damit abfinden, dass die UMTS-Pläne zunächst auf Eis gelegt werden. Im "Focus"-Interview sagte der Firmengründer, wenn er von der Mobilcom-Führung höre, dass erst ein Scheich aus Dubai kommen müsse, um die UMTS-Lizenz zu retten, dann stehe er "kurz vor dem Herzinfarkt". Er wolle den Aktionären auf der Hauptversammlung klarmachen, dass das Unternehmen gesund sei. Scharf attackierte Schmid den jetzigen Firmenchef Thorsten Grenz: "Er macht handwerkliche Fehler, und auch er will das Unternehmen zerschlagen. Er ist kein Stratege."

Heftige Kritik an Schmid übte unterdessen der frühere Thyssen-Chef Vogel. "Solange der Steuerzahler das Unternehmen Mobilcom finanziert, will ihn dort keiner haben. Das will Herr Schmid anscheinend nicht verstehen", sagte Vogel laut "Focus". Schmid solle endlich einlenken und nicht länger gegen Entscheidungen anrennen, die längst getroffen seien und die er selbst gebilligt habe. Vogel will sich nach der Hauptversammlung erneut der Wahl zum Aufsichtsratsvorsitzenden stellen.

Kritisch über Schmid äußerte sich am Wochenende auch dessen Treuhänder Thoma. Der "Frankfurter Allgemeinen Sonntags-Zeitung" sagte er, Schmid habe die Rolle des Treuhänders offenbar noch nicht verstanden: "Der sieht darin einen Sanierer, eine Art Ersatzvorstand. So ist die Rolle im Aktienrecht aber nicht angelegt." Thoma wird nach eigenen Angaben die einseitige Kündigung seines Treuhänder-Vertrages durch Schmid nicht akzeptieren. Zugleich kündigte er an, in Hamburg für den Rettungsplan zu stimmen.

Die "Welt am Sonntag" berichtete ergänzend, Schmid wolle demnächst die gegen ihn gerichteten Verdächtigungen mit einer "glasklaren Dokumentation ausräumen". Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Untreue und des Verstoßes gegen das Aktienrecht. Der Firmengründer soll als Vorstandschef Anfang 2002 rund 71,5 Millionen Euro für ein umstrittenes Aktienoptionsprogramm ohne Zustimmung der zuständigen Gremien an die Firma seiner Frau überwiesen haben.(APA/AP)