Bild nicht mehr verfügbar.

apa/dpa/thieme

Salzburg - Jugend- und Internetexperten diskutierten am Sonntag Vormittag in der Salzburger Elisabethbühne über Selbstmorde von Jugendlichen, die sich via Internet über den Suizid austauschen und dort Motivation und Anleitungen bekommen. In zwei Wochen bringt das Theater Igor Bauersimas Kultstück "norway.today" heraus, in dem der Regisseur den tatsächlichen Selbstmord zweier Jugendlicher zu einem erfolgreichen Schauspiel verarbeitet hat.

Solveig Prass, die seit Jahren die so genannten Selbstmordforen im Netz beobachtet und Ausstiegshilfen erarbeitet hat, sagte, innerhalb von zwei bis vier Wochen seien Jugendliche, die am Anfang nur aus Langeweile Internetkontakte zu "Gleichgesinnten" aufnehmen würden, akut gefährdet. Manfred Biebl, Primar der Jugendpsychiatrie in Salzburg erläuterte, dass diese Selbstmord-Foren im Internet für labile Jugendliche deshalb so gefährlich seien, weil der Kontakt mit lebensmüden Netz-Surfern, vielfach Hemmschwellen abbaue und verzweifelte, autoaggressive Denkmodelle verstärke. "Die Jugendlichen gehen oft banal mit großen Gedanken um und steigern sich in den vermeintlich einzigen Ausweg aus der Leere und Sinnlosigkeit unglaublich schnell und radikal hinein", so Biebl.

Gelangweilte Kids

Thomas Engl von der Salzburger Telefonseelsorge "Kids Line" sagte, die größte Gruppe von "Kids" seien gelangweilt, hielten das ganze Leben für "gefaked" (gefälscht) und verlangten Lösungen für ihr Dilemma innerhalb von zwei Minuten. "Die meisten von ihnen rufen nach der Schule an, weil die Eltern nicht zu Hause sind", schildert Engl. Prass ergänzte, wenn dazu unkontrollierter Internetzugang komme, dann seien besonders die Sprösslinge gutsituierter Bürger extrem gefährdet. "Wir beobachten und dokumentieren diese Foren seit Jahren. Was Österreich betrifft, sind es vor allem Jugendliche aus Graz und Wien, die sich an diesen leider oft fatalen Spielen beteiligen."

Die beiden Schauspieler und der Regisseur der Norway.today-Produktion in der Elisabethbühne haben sich vor den Probearbeiten tagelang in diese Selbstmordforen ins Netz geklinkt, um Sprache und Lebensgefühl dieser jungen Leute besser begreifen zu können. Hauptdarsteller Nicolas Marchand sagte, es sei erschütternd, wie viel Leere, Destruktivität, Fadesse und Verzweiflung wegen der Anonymität des Internets durch die Fassaden ganz normaler Jugendlicher brechen. "Das muss ich als Schauspieler und als selbst junger Mensch erst einmal auf die Reihe kriegen", so der Schauspieler. (APA)