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Objekte krimineller Begierde: Bankomaten. Kunden werden meist mit einfachen Methoden ausgetrickst.

Foto: APA/Herbert P. Oczeret

Innsbruck - Seit Wochen kommt es in Westösterreich immer wieder zu dreisten Versuchen, Bankomatbenützern ihre Karte abzuluchsen. Ein Klebeband im Kartenschlitz, ein Zettel mit freundlichen Hinweisen wie "Funktionsstörung . . . geben Sie dreimal hintereinander ihre Geheimnummer ein . . ." und ein hinzutretender Mensch, dem "gerade das Gleiche passiert ist".

In einem Fall konnte die Tiroler Gendarmerie zumindest die Reisroute der unbekannten Täter nachvollziehen. Die innerhalb eines Tages getätigten Geldbehebungen mit einer ergaunerten Bankomatkarte zogen sich über Mailand bis nach Frankreich.

Eine der erfolgreichsten Kartenfallen, eben der Trick mit dem Tixo auf dem Kartenschlitz, ist in ganz Europa als "Kragen von Marseille" bekannt und nach dem Ursprungsort der kriminellen Innovation benannt. Gut ausgeführt seien die Klebestreifen auf der Automatenoberfläche kaum erkennbar, warnen Tiroler Kriminalbeamte.

Auf eine ebenfalls verblüffend einfache Methode bauern andere Täter: Geldausgabeschlitz zukleben, fertig. Kunden hören das typische Geräusch der Maschine beim Sortieren der georderten Scheine, die Karte wird ausgegeben, aber dann ist Schluss. Immer wieder kommt es vor, dass Kunden verärgert den Bankomat verlassen und sich erst am nächsten Tag bei der Bank beschweren. Inzwischen haben die Gauner die simple Blockierung längst behoben und sind über alle Berge.

Kamera filmt Eingabe

Eine dritte Methode, von der Kripobeamten erzählen, fällt in die Kategoerie Hightech: Im Dach des Automaten installieren die Täter eine Kamera, die das Eingeben des Pincodes filmt. Bleibt das Abluchsen der Karte als variable Größe.

Zwei einfach zu befolgende Tipps sollten unliebsame Überraschungen verhindern: Vorsicht, sobald am gewohnten Erscheinungsbild des Bankomaten Veränderungen zu sehen sind - von eigenartigen Zetteln bis zu Klebestreifen. Und zweitens: Sich während des Codeeintippens niemals über die Schulter schauen lassen.

Walter Bödenauer, Prokurist der Bankomatbetreibergesellschaft APSS (Austrian Payment System Services) bestätigt diese Ratschläge und fügt einen hinzu: "Kommt die Karte nicht zurück, sollte man das unbedingt sofort melden und die Karte sperren lassen." Eine entsprechende Telefonnummer sei an jedem Automaten angebracht. Angesprochen auf die skizzierten Betrugsmethoden sagt Bodenauer nur: "Wir haben Abwehrmethoden entwickelt, aber darüber sollte nichts in der Zeitung stehen."

Nicht verhindert werden kann damit die einfachste Art, Geldtaschendieben Zugang zum Bankkonto zu gewähren, wie sie der Kriminalpolizeiliche Beratungsdienst beschreibt: ". . . dem Täter wurde die Arbeit dadurch erleichtert, dass er nicht einmal nach einem Zettel in der Geldtasche suchen musste, denn der Code stand mit Filzschreiber direkt auf der Karte."

Errechnen unmöglich

Als "Märchen" qualifiziert Bödenauer immer wieder auftauchende Meldungen, wonach es möglich sei, aus den auf den Bankomatkarten aufgedruckten Daten (Konto- und Kartennummer) den Pincode zu errechnen: "Auch mit den heutigen technischen Errungenschaften ist das unmöglich." Unbeantwortet bleibt die Frage nach einer Schadensbilanz. Der Grund: 1200 Bankstellen geben in Österreich Bankomatkarten aus. Es gibt keine Gesamtzahlen. Einen beruhigenden Zahlenvergleich hat Bödenauer trotzdem noch parat: "Bei 150 Millionen Transaktionen jährlich gibt es 50 bis 100 Gaunereien."
(Hannes Schlosser/DER STANDARD, Printausgabe, 27.1.2003)