Wien - Neben Postverteilzentren, Materialbeschaffung und -lagerhaltung (DER STANDARD berichtete) hat der Rechnungshof (RH) auch die Briefmarken unter die Lupe genommen. Besonders angetan hatten es den RH-Prüfern die Sonderwertzeichen, also Weihnachts- und Jubiläumsmarken, die meist künstlerisch gestaltet werden.

Die staatlichen Prüfer fanden heraus, dass die produzierte Stückzahl der - im Druck wesentlich teureren - Sondermarken der Nachfrage in keiner Weise entsprach. Denn die Anzahl der Markensammler im In- und Ausland, die regelmäßig mit Wertzeichen beschickt wurden, war deutlich geringer als die produzierte Auflage.

So wurden durchschnittlich 2,8 Millionen Stück je Auflage (exkl. Weihnachtssondermarken) produziert, obwohl die Zahl der inländischen Sammler zwischen 1995 und 2001 von 110.000 auf 72.000 und die Zahl der Auslandsabonnenten von 52.000 auf 39.000 zurückging.

Notbremse

Der seit Sommer 1999 amtierende Post-General Anton Wais zog 2001 die Notbremse und reduzierte die aus seligen Zeiten der Hoheitsverwaltung stammende Überproduktion dramatisch - auf 420.000 Stück je Auflage. Mit gutem Grund, denn die von 1995 bis 2000 produzierten 498 Millionen Stück Sondermarken waren mit einem durchschnittlichen Stückpreis von 5,7 Cent deutlich teurer als die "normalen" Dauermarken, deren Herstellungskosten nur einen Cent pro Stück betrugen.

Das schlägt sich in der Beurteilung des Rechnungshofs vernichtend nieder: Im September 2001 waren noch rund 13 Millionen Stück der von 1995 bis 2000 aufgelegten Sondermarken postlagernd. Und: Bei einer laufenden Erhebung der inländischen Briefmarkensammler hätte die Post jährlich 2,91 Millionen Euro an Herstellungskosten einsparen können. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Printausagabe 27.1.2003)