Die Palmers-Chefetage ist derzeit heiß umgekämpft.

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Wien/Wiener Neudorf - Wie eine Laufmasche zog sich der Machtkampf um die Palmers-Führung durch den größten heimischen Textilkonzern: Am Dienstag verdichteten sich Hinweise darauf, wonach Vorstand Astrid Gilhofer (40) in die entscheidenden Positionen des Firmengeflechts gehievt werden sollte. Dahinter stehe Christian Palmers (60), Aufsichtsratschef der Oberholding. Der langjährige Chef Rudolf Humer (59) wehrt sich seit Tagen öffentlich gegen seine Ablöse. Gilhofer wollte auf Standard-Anfrage keine Stellungnahme abgeben.

Entscheidende Sitzung

Entscheidend wird nun die Sitzung des Holdingaufsichtsrates am kommenden Donnerstag: Dort wird entschieden, ob Humer Ende Jänner die operativen Funktionen verliert. Christian Palmers verfüge über ein Drittel der Stimmrechte, Humer über elf Prozent, über die Position der anderen Clanmitglieder wurde bisher nur spekuliert. Die Humer-Fraktion behauptet, die Mehrheit halte zu ihm, der seit 1978 die Firma führt.

Gilhofer, unter anderem auch Mitglied des ÖIAG-Aufsichtsrates, galt bisher als Protegé Humers. Die Juristin startete in der Rechtsabteilung, arbeitete sich zum Vorstand hoch und ist auch Aufsichtsrätin in diversen Konzerngesellschaften und -beteiligungen. Aus Kreisen um Christian Palmers wird der Verdacht der Intrige vehement zurückgewiesen. "Humer hätte sonst ja schon früher Konsequenzen gezogen", wird argumentiert.

Überraschende Wechsel

Im Palmers-Vorstand gab es in jüngster Zeit einige überraschende Wechsel, die laut Insidern mit dem Machtkampf um die Spitze zumindest mittelbar zu tun hatten. Dies zeigt ein Statement von Astrid Leyrer, bis vor kurzem Marketing- und Einkaufsvorstand, das dem Standard vorliegt: Darin heißt es, dass sie "nicht aus privaten Gründen ausgeschieden" sei, sondern sich mit neuen Aufgabenverteilungen nicht abfinden haben wollen, die Josef-Dietrich Lerchl, seit September 2002 als Vorstand der Textil AG geholter Ex-Metro-Manager, eingeführt hätte.

"Eingriffe"

Diese hätten für Leyrer "wesentliche Eingriffe in meine Gestaltungsmöglichkeiten" bedeutet. Dies sei unverständlich gewesen, da "ich in meinen Verantwortungsbereichen im Geschäftsjahr 2001/ 02 extreme Erfolge verzeichnen konnte und auch 2003/04 über Plan lag." So sei der Umsatz des p2-Großhandels 30 Prozent im Plus gelegen, weiters sei eine Kosmetiklinie in Deutschland erfolgreich eingeführt. Doch der Aufsichtsrat sei ihren Argumenten nicht gefolgt. Leyrer ging dann als Beraterin zu Huber Trikot.

Relativ kurz war auch das Vorstandsgastspiel von Joachim Knehs, Chef der Palmers-Firma Don Gil und Schwiegersohn von Altkanzler Franz Vranitzky. Er galt bis dahin ebenfalls als Anwärter auf den höchsten Managerposten der Gruppe. (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Printausgabe 29.1.2003)