Wien - Die Prognosen der Fachleute für den US-Dollar sind derzeit nicht allzu günstig. Als Hauptgründe werden das anhaltend starke Defizit der US-Handelsbilanz, das überbordende Haushaltsdefizit der Regierung Bush, das Geldmengenwachstum (um die Schuldenblase am Platzen zu hindern?) und die im Vergleich zur Eurozone niedrigeren Zinsen angegeben.

Ein auch für kleinere Investoren gangbarer Weg, von einer erwarteten Dollarschwäche zu profitieren oder ihre Dollarbestände abzusichern, sind Währungsoptionen. An den deutschen Börsen werden eine Fülle von Euro-"Call"-Optionsscheinen auf den Dollar gehandelt, die flexible Strategien ermöglichen.

Der Inhaber eines Kauf-Optionsscheines profitiert also von steigenden (Euro-)Wechselkursen (umgekehrt wäre es bei Put-Optionsscheinen). Optionsscheine eignen sich somit auch dazu, das Währungskursrisiko der Portfoliobestände an US-Aktien oder Dollaranleihen abzusichern. Mehrere Faktoren sind dabei zu beachten:

  • Zunächst der Basispreis Ein Basispreis 1,02 bei einem Bezugsverhältnis 100:1 würde bedeuten, dass der Optionsscheinbesitzer am Ende der Laufzeit, sofern der Euro dann mehr als 1,02 Dollar kostet, die rechnerische Differenz erhält. Praktisches Beispiel: Bei einem aktuellen Kurs von 1,07 Dollar pro Euro ist der rechnerische (innere) Wert des Optionsscheins 0,05 x 100 (Bezugsverhältnis) = fünf Euro. Er ist also "im Geld", wie es im Börsenjargon heißt. Liegt der Dollarkurs genau bei 1,02 oder darunter, ist der Optionsschein rechnerisch wertlos. Allerdings werden die Scheine mit einem Aufgeld gegenüber dem inneren Wert gehandelt, das unter anderem von der verbleibenden Laufzeit und der Schwankungsstärke des Basiswertes abhängt. Je länger die Laufzeit, je höher die Volatilität, umso höher das Aufgeld.

  • Je geringer der innere Wert, umso größer die Wahrscheinlichkeit eines Totalverlustes am Ende der Laufzeit.

  • Eine andere Maßzahl ist der Hebel. Je größer, umso stärker partizipiert der Optionsscheinkäufer an einer Kursveränderung des Basiswertes. Das gilt freilich in beide Richtungen. Steigt im zitierten Beispiel der Eurokurs auf 1,08, erhöht sich der innere Wert des Optionsscheines um 20 Prozent auf sechs Euro.

  • Das "Omega" gibt an, um welchen Prozentsatz sich der Optionsscheinkurs bei Kursveränderung des Basiswertes um ein Prozent ändert. Eine weitere Größe, die den Kurs des Optionsscheines beeinflusst, ist die restliche Laufzeit (je kürzer, umso geringer das Aufgeld gegenüber dem inneren Wert).

    Für ausführliche Vergleiche erhältlicher Optionsscheine hat OnVista ein ausgezeichnetes Werkzeug entwickelt. Die Optionsscheinsuche ermöglicht dabei Wertungen nach den verschiedensten Kriterien, die auch erklärt werden. Gehandelt werden die Optionsscheine meist an den Börsen in Stuttgart und Frankfurt. (Nikolaus Dolenz, DER STANDARD, Printausgabe 27.1.2003)