Bild nicht mehr verfügbar.

Mozartdamen unter sich: Anke Vondung (als Dorabella, li.), Christiane Boesiger (Despina, M.) und Melba Ramos (Fiordiligi, re.)

Foto: apa/schneider

Salzburg - Mozartwoche-Matinee 2003 mit der Cappella Barca unter der klaviervirtuosen Leitung von András Schiff; wir befinden uns in der Pause - und das Pausengespräch dreht und kümmert sich um die vorabendliche Così fan tutte im Landestheater, mit deren Produktion das "Salzburger Musikfest im Winter" eröffnet hat. Gönner aus nah und fern, Sponsoren, langjährige Abonnenten, auch Salzburg-Fahrende mit Januarpräferenzen (denn im sommerlichen Festspiel-Salzburg vermisst man die Intimität!) verschleudern fragend ihre ungefragten Kommentare zu der Mozart-Produktion.

Witzig, spritzig war es im kleinen Theater drüben an der Salzach, man freute sich einer im wahrsten Sinne des Wortes brennenden, feuerwehrigen Deutung (Deutung?) des letztendlich liebgewonnenen Lieb-und Verwechslungstraumas. Der unerwünschten Kommentare kein Ende auch am Abend, als Pianist Maurizio Pollini und Dirigent Pierre Boulez eher tastend als selbstbewusst zu Mozarts B-Dur-Konzert (KV 595) eine Meinung zu äußern suchten (morgen mehr darüber).

Unsere Meinung im Umfeld einer - wie es scheint - bereits vorgebuchten Erfolgsgeschichte: ein Mozart-Spektakel von großer Kraft, wie man es sich von einer modernen und scharfsinnigen Regisseurin erwarten darf. Die Figuren, genauer: die Paare des Mozartschen "Wetten, dass ...?" werden durcheinander gewirbelt, werden in Brand gesetzt (und dies im wortwörtlichen Sinne eines feuerwehrisch genommenen Weltenbrandlöscheinsatzes), denn - so hat es Christine Mielitz mit aller Schärfe regiekünstlicher Gegenwartsartistik erkannt - in der Liebe ist es das Feuer, in dessen Lodern wir Lüge und Wahrheit unterscheiden gelernt haben.

Etwas abgegriffen

Dies alles ist in Wahrheit so kunstgewerblich abgesichert wie ästhetisch abgegriffen. Und so wagen wir den Wunsch nach einer stockkonservativen, der Musik folgenden, von jeglichem modischen Regiezierrat verschonten Aufführung zu äußern, in deren Verlauf sich so gute, engagierte Sänger/Darsteller wie hier in dieser Mozartwoche-Landestheaterproduktion einmal in den Kostümen der Zeit und in den Lebhaftigkeiten der Da-Ponte-Verfügungen bewegen und letzten Endes auch bewahrheiten dürfen.

Hubert Soudant mit dem klein besetzten, akustisch papieren benachteiligten Mozarteum Orchester machte bemühte Miene zum furios-hektischen Spiel auf der Szene, aus deren kontroversen Ensemble-Amalgam die Damen Melba Ramos (Fiordiligi) und Anke Vondung (Dorablla) in jeder Hinsicht herausragten.

Maurizio Muraro als Don Alfonso betätigt sich als Defensivkünstler; auch Paul Armin Edelmann (Guglielmo) agiert eher schattenhaft, seinem Wettkumpanen Guglielmo (Lothar Odinius) leider allzu sehr verwandt. Christiane Boesiger als Despina macht gute Figur und investiert ihr Temperament in einer Bühnendekoration (Hartmut Schörghofer), die in ihrer Würfelhaftigkeit den spielerischen Elementen des Sujets Rechnung trägt und am Ende pointiert ein auf den Kopf gestelltes Ehebett daherzaubert. (DER STANDARD, Printausgabe vom 27.1.2003)