Wien - "Es gibt von Privatversicherungen höchstes Interesse daran, unser Gesundheitswesen runterzusparen", sagt Gabriele Kogelbauer. Die Internistin ist Spitalsärztevertreterin und Vizepräsidentin der Wiener Ärztekammer. Denn je mehr das System ausgehöhlt werde, desto mehr sei man auf den privaten Gesundheitsmarkt angewiesen, um dort Leistungen "zuzukaufen", warnt sie im STANDARD-Gespräch.

Wie das öffentliche Gesundheitswesen aufrechterhalten werden kann? Genügend Geld und echte Sparanreize, wünscht sich Kogelbauer. Und sie erzählt, wie zum Teil das Gegenteil passiert: So habe man Ärzte in den Gemeindespitälern frustriert. Die hätten nämlich seit Jahren im Arzneimittelbereich Millionen eingespart, was ihnen beim nächsten Budget dann gleich abgezogen worden sei - und anstatt der fehlenden Bundesmittel ins AKH floss.

Jetzt sei die Motivation im Keller.

Ganz anders wäre es gelaufen, hätten die Spitalsabteilungen einen Teil der gesparten Mittel umwidmen können - etwa für eine Halbtagssekretärin für die Verwaltung, damit man Jungärzte von der überbordenden Spitalsbürokratie entlasten könnte, so Kogelbauer.

Darüber hinaus fehle es an ernsthafter überregionaler Planung. Die Tendenzen der Politik, das Gesundheitswesen in der nächsten Legislaturperiode zu "verländern" lehnt sie ab. Noch mehr ärgert sie sich über Aussagen von Gesundheitsökonomen, wonach Tausende Spitalsbetten einzusparen sind. "Schwachsinn", meint sie dazu, räumt aber ein, dass sehr wohl kleine Spitäler zugesperrt werden könnten, wenn etwa 20 Kilometer weiter weg ein weiteres Krankenhaus dasselbe anbiete.

Dabei gehe es auch um die Qualitätsfrage: "Wenn in einem Spital nur zweimal im Jahr eine schwere Bauchspeicheldrüsenoperation vorgenommen wird, dann gibt es für diesen Eingriff zu wenig Routine."

Bei den im Frühjahr anstehenden Wiener Ärztekammerwahlen werden der Spitalsärztin Chancen eingeräumt, Nummer eins zu werden. (Martina Salomon/DER STANDARD, Printausgabe, 27.1.2003)