Nazareth - "Das ist für uns dasselbe, das ändert im Land überhaupt nichts", antwortet Adel Hresh, ein Mechaniker aus Nazareth, lustlos auf die Frage, ob er sich Ariel Sharon oder Amram Mitzna als Wahlsieger wünscht: Unter Ehud Barak, dem letzten Premier der Arbeiterpartei, sei es schließlich "noch schlimmer als mit Sharon" gewesen. Ähnlich apathisch wie alle anderen Wähler in Israel wirkt auch die arabische Minderheit. Schon immer waren die "israelischen Araber" zerrissen zwischen ihrer Solidarität mit der palästinensischen Sache und der von ihnen verlangten Loyalität zum Staat, die Intifada hat das Misstrauen zwischen den jüdischen und arabischen Bürgern Israels weiter vertieft.

Die 1,3 Millionen Araber machen fast 20 Prozent der Bevölkerung aus, doch weil es sich um einen besonders kinderreichen Sektor handelt, liegt ihr Anteil unter den Wahlberechtigten nur bei elf Prozent. Der Großteil ihrer Stimmen fließt den linksgerichteten oder islamistischen, aber immer scharf nationalistischen "arabischen Parteien" zu, die sich regelmäßig aufsplittern und frisch fusionieren. Drei von ihnen dürften wieder den Sprung ins Parlament schaffen und gemeinsam rund zehn der 120 Mandate ergattern, die längste Tradition hat dabei die aus der kommunistischen Partei hervorgegangene "Chadasch", die auch einzelne jüdische Kandidaten auf ihrer Liste hat.

Die Parolen haben sich über die Jahre nicht verändert: "Mehr Demokratie und Gleichberechtigung" für die Araber in Israel, "Zwei Staaten für zwei Völker" als Lösung für den israelisch-palästinensischen Konflikt. Bei der letzten Direktwahl des Premiers vor fast zwei Jahren war das Verhalten der Araber mit entscheidend für Baraks Debakel: Hatten sie zuvor immer massiv den linken Kandidaten unterstützt, so blieben sie damals zu Hause - ein Zeichen des Protests gegen Barak, der in ihren Augen die politische Verantwortung für die "Oktoberzwischenfälle" im Jahr 2000 trug, als kurz nach Ausbruch der Intifada bei Unruhen in Nordisrael dreizehn Araber von der Polizei erschossen wurden.

Diesmal dürfte die arabische Wahlbeteiligung wieder bei 70 Prozent liegen. Für Lutfi Maschur, Herausgeber des Wochenmagazins A-Sanara in Nazareth, ist der Ausgang der Wahlen am Dienstag weniger wichtig als der Versuch, durch diese Wahlen wieder aus der Ausgrenzung herauszufinden: "Die Frage ist nicht, ob die arabische Stimme entscheidend ist, sondern ob sie legitim ist." (DER STANDARD, Printausgabe, 27.1.2003)