Neun Tage lang haben sich französische Unterhändler mit den Konfliktparteien ihrer früheren Vorzeigekolonie Côte d'Ivoire in eine Rugbyhalle am Stadtrand von Paris eingeschlossen und den ersten Teil einer Friedenslösung für den westafrikanischen Staat hinter sich gebracht - mit durchaus beachtlichem Erfolg: Das Abkommen ist immerhin am Verhandlungstisch entstanden, was den Bruch mit der französischen Praxis der 70er- und noch zu Beginn der 80er-Jahre besiegelt, als die Präsidenten Giscard d'Estaing und Mitterrand je nach Bedarf Fallschirmspringer ausrücken ließen, um afrikanische Autokraten zu stützen oder zu stürzen. Und Jacques Chiracs Emissär in der Halle von Marcoussis hat den Staatschef der Côte d'Ivoire, Laurent Gbagbo, zu einem erheblichen Verzicht seiner Macht überreden können.

Der nächste Teil der Vermittlungsmission wird nicht viel leichter. Nachdem Paris Präsidentenberater und ominöse Rebellengruppen an einen Tisch bekommen hatte, müssen die ivorischen Parteien auch wieder heil zurück ins Land und ihr Friedensabkommen verteidigen. Dort aber stehen die Zeichen auf Sturm: Im aufständischen Norden liefern sich Rebellen und Regierungstruppen wieder vermehrt Gefechte. Die Armeeführung empfindet das Pariser Abkommen als "erniedrigend".

Im Südwesten marodieren Milizgruppen aus dem Bürgerkriegsland Liberia. Jahrzehnte hindurch war die Côte d'Ivoire, der weltgrößte Kakaoproduzent, der stabile Pfeiler Westafrikas. Dass Paris nun durch den immer noch möglichen Zusammenbruch des Landes in ein militärisches Abenteuer rutscht, ist nicht unwahrscheinlich. Frankreich hat sich mit dem Abkommen von Marcoussis zum Garanten des Friedens gemacht und damit - nolens volens - ein neues Protektorat errichtet.