Bagdad - Im Falle eines Angriffs auf den Irak muss nach einem Expertenbericht mit dem Tod hunderttausender Kinder gerechnet werden. Zehn Fachleute des Internationalen Studienteams sagen eine "schwerwiegende Katastrophe humanitärer Natur" für den Kriegsfall voraus. Das Internationale Studienteam ist eine unabhängige, 1991 gegründete Gruppe von Akademikern, Forschern, Ärzten und Kinderpsychologen, die sich mit den Auswirkungen militärischer Konflikte auf Zivilisten befasst.

Der kanadische Teamleiter Eric Hoskins erklärte bei der Vorstellung des Berichts "Die Auswirkungen eines neuen Krieges auf irakische Kinder" am Sonntag in Bagdad, mindestens 500.000 irakische Kinder seien mangelernährt oder untergewichtig. Das Land habe Nahrungsmittelvorräte für einen Monat und Arzneimittelvorräte von drei Monaten in den zentralen Krankenhäusern. "Die 13 Millionen Kinder im Irak sind der Gefahr von Hunger, Krankheit, Tod und psychologischem Trauma ausgesetzt", sagte Hoskins, ein Arzt. Kindern und Jugendlichen gehe es heute schlechter als vor dem Golfkrieg von 1991.

Für den Bericht sprach das Team nach eigenen Angaben vom 20. bis 26. Jänner mit 200 Familien in Bagdad, Basra und Kerbala. Das Team habe keine Hilfe von der irakischen Regierung erhalten und seine Übersetzer selbst angeworben. Zu seinen Trägern zählen die Hilfsorganisationen World Vision Canada und Oxfam Canada sowie die Universität von Bergen in Norwegen. Der Bericht des Teams über die humanitäre Lage in Irak nach dem Golfkrieg 1991 galt unter Experten als einer der umfassendsten. Er basierte auf Gesprächen mit mehr als 9.000 Haushalten an 300 Orten im Irak. (APA/AP)