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Linz - Kommt die Frau ihren Haushaltspflichten nicht nach, setzt's was. Und das zu Recht, meinen die prügelnden Männer. Welche Gewaltstudie Petra Velten auch durchliest, der Tenor ist immer derselbe: Die Täter zeigten kaum Reue, sondern seien von ihrem "Züchtigungsrecht" überzeugt. Die Juristin, die an der Uni Münster lehrt, hält daher die Diversion als Sanktionsmaßnahme bei familiärer Gewalt für ungeeignet.

Angeklagte, die ihre Frauen und Kinder geschlagen haben, sollten besser eine bedingte Haftstrafe erhalten, sagte die deutsche Wissenschafterin bei einer Podiumsdiskussion an der Johannes-Kepler-Universität in Linz. Bei der Staatsanwältin Brigitte Loderbauer stieß diese Ansicht hingegen auf Ablehnung. Sie halte Diversion für den richtigen Weg.

Seit drei Jahren gibt es diese Sanktionsmaßnahme in Österreich. EinzelrichterInnen können statt der Strafe eine Geldbuße, gemeinnützige Arbeit oder eine Probezeit verhängen oder einen Täter-Opfer-Ausgleich (außergerichtlichen Tatausgleich) anordnen. Auf das förmliche Strafverfahren wird dann verzichtet.

Vor allem die Möglichkeit des außergerichtlichen Tatausgleiches hält Loderbauer für "sehr gut". Wenn das Opfer zustimmt, komme es zwischen ihm und dem Täter im Beisein von MediatorInnen zu einer Aussprache. Gemeinsam werde ein Weg gesucht, damit der Mann künftig nicht mehr zuschlägt. So könne ein Täter etwa die Auflage erhalten, einen Antiaggressionkurs zu absolvieren, erklärte die Linzer Staatsanwältin.

Doch auch Maria Schwarz-Schlöglmann von der oberösterreichischen Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie steht dem außergerichtlichen Tatausgleich skeptisch gegenüber. Klientinnen, die sich oft erst nach jahrelangem Martyrium von ihren Peinigern getrennt haben, wollen diese einfach nicht mehr sehen. Dennoch entscheide das Gericht bei Strafprozessen meist für den außergerichtlichen Tatausgleich.

Laut Statistik aus dem Jahr 2000 über die Diversion bei Strafverfolgung von Gewalttätern entfielen 74 Prozent auf den Täter-Opfer-Ausgleich. 17 Prozent der Täter erhielten eine Geldbuße, acht Prozent bekamen eine Probezeit ohne Zusatz, also eine Probezeit ohne Bewährungsauflagen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 27.1.2003)