Paris - In Frankreich findet anlässlich des Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers von Auschwitz zum ersten Mal in allen Schulen ein "Gedenktag zum Holocaust und zur Vorbeugung der Verbrechen gegen die Menschlichkeit" statt. Die Einführung dieses Gedenktages war von 48 europäischen Bildungsministern anlässlich einer Versammlung des Europarats in Straßburg beschlossen worden.

Jedem Mitgliedsland des Europarats steht es frei, das Datum des Holocaust-Gedenktages unabhängig festzulegen. Wie Frankreich entschied sich auch Deutschland für den 27. Jänner. Anlässlich dieses Gedenktages soll in allen französischen Grund-, Mittel- und Oberschulen eine Debatte über Holocaust, Genozide und das "absolute Übel" stattfinden, heißt es in einem Rundschreiben der französischen Schulverwaltung vom vergangenen Dezember. "Gefahr der Banalisierung"

Die Präsidentin der Stiftung für die Erinnerung an die Shoa, Frankreichs Ex-Ministerin Simone Veil, hatte bei der Europarat-Sitzung in Straßburg auf die "Gefahr der Banalisierung der Shoa" hingewiesen und betont, dass man auch künftig an der Übermittlung der Erinnerung arbeiten müsse. Roger Cukierman, Präsident des Rates der jüdischen Institutionen in Frankreich CRIF, kritisierte gegenüber der Tageszeitung "Le Figaro" (Wochenend-Ausgabe), dass der Antisemitismus in gewissen intellektuellen Kreisen in Frankreich "banal" und "politisch korrekt" geworden sei.

"Es gibt eine Befreiung des antisemitischen Wortes. Es wir in gewissen Schulen schwierig, den Holocaust oder die Geschichte der Hebräer zu unterrichten. Und im Falle eines Krieges im Nahen Osten fürchten wir ein neues Aufflammen der Gewalt", sagte Cukierman wörtlich. "Ich glaube, dass ein Klima der Brutalität herrscht, für das wir französische Bürger alle verantwortlich sind", fügte Cukierman hinzu. (APA)