Suleimaniya/Kairo - Die zersplitterte irakische Exil-Opposition will auf einer Konferenz im nordirakischen Kurdengebiet Mitte Februar ein Führungstrio für die Zeit nach einem Sturz von Präsident Saddam Hussein wählen. Diesem Triumvirat sollen ein Kurde, ein sunnitischer Araber und ein schiitischer Araber angehören. Wie ein Oppositionssprecher in der nordirakischen Stadt Suleimaniya heute, Montag, bestätigte, soll das bereits mehrfach verschobene Treffen in Salaheddin bei Arbil (Erbil) stattfinden. Der Ort liegt in der so genannten Flugverbotszone, die von amerikanischen und britischen Flugzeugen kontrolliert wird.

Darüber, weshalb das erste Treffen des im Dezember in London gegründeten 65-köpfigen "Koordinationskomitees" der irakischen Opposition immer wieder verschoben wurde, gibt es verschiedene Versionen. Ein Teil der Opposition nennt Sicherheitsprobleme und Schwierigkeiten bei der Visa-Erteilung in den Nachbarstaaten Iran und Türkei. Andere erklärten, die US-Regierung wolle das Treffen auf die Zeit nach einem möglichen Kriegsbeginn verschieben, um die Oppositionellen über die Frage, wer künftig die Macht in Bagdad übernimmt, nicht alleine entscheiden zu lassen.

Zu den Gesprächen in Salaheddin werden die beiden wichtigsten Kurdenfraktionen, die schiitische Opposition, zwei liberale Gruppen und die Monarchisten erwartet. Der von Washington unterstützte Chef des "Irakischen Nationalkongress" (INC), Ahmed Jalabi, soll sich bereits in Teheran aufhalten.

US-Außenminister Colin Powell hat nicht ausgeschlossen, dass der Irak nach einem Krieg und dem Sturz des Baath-Regimes in mehrere Kleinstaaten zerfallen könnte. Das Risiko bestehe, hatte Powell im Fernsehsender CBS erklärt, und die US-Regierung sei sich des Problems bewusst. Ein Zerfall des irakischen Staates in einen schiitischen, einen sunnitischen und einen kurdischen Staat würde niemandem dienen. Deshalb würden die USA nach einem möglichen Militärschlag alles tun, um eine "Balkanisierung" des Krisengebiets zu verhindern. Man werde nur eine Regierung unterstützen, die sich ebenfalls zur Erhaltung der staatlichen Einheit verpflichte, betonte Powell.

Die zerstrittenen Gruppierungen der irakischen Exil-Opposition hatten sich Mitte Dezember in London auf die Bildung eines "Koordinierungskomitees" verständigt. Aufgabe dieses Ausschusses soll es sein, nach einem Sturz des Regimes in Bagdad eine Übergangsregierung einzusetzen. Die wichtigsten dieser von den USA unterstützen Gruppen sind der "Irakische Nationalkongress" (INC) von Ahmed Jalabi, die Monarchisten, Anhänger der 1958 gestürzten (und jetzt noch in Jordanien herrschenden) Haschemiten-Dynastie, die beiden Kurdenparteien von Massud Barzani (Demokratische Partei Kurdistans) und Jalal Talabani (Patriotische Union Kurdistans), der schiitische "Oberste Rat der Islamischen Revolution" und die "Bewegung der Nationalen Eintracht" von Iyad Alawi. (APA/dpa)