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Foto: APA/DPA/Ralf Hirschberger

Wien - Die niederösterreichischen Frauen stufen den Beruf nicht als den wichtigsten Lebensbereich ein. Sie geben der Familie den Vorrang. Wenn auch nicht ganz freiwillig. Das ergab eine Studie, die von der Niederösterreichischen Arbeiterkammer bei SORA in Auftrag gegeben und diesen Montag präsentiert wurde.

"Familienwesen" Frau

Auf den ersten Blick wird der Beruf von 94 Prozent der Frauen gegenüber der Familie als nicht so wichtig eingestuft. Aber nur auf den ersten Blick, denn je nach Alter, Bildung und Lebenssituation hat die weibliche Bevölkerung unterschiedliche Erwartungen an ihr Berufsleben und den Arbeitsmarkt. Mehr als 75 Prozent der bis zu 25- Jährigen stufen die berufliche Karriere als sehr wichtig oder ziemlich wichtig ein, während dies für weniger als die Hälfte der 26- bis 60-jährigen Frauen zutrifft. Zwischen dem 25. und 40. Lebensjahr erlebt die berufliche Laufbahn der Frauen einen dramatischen Einbruch. Erst ab dem 41. Lebensjahr steigt das Interesse am Job erneut.

Keine wirkliche Wahlfreiheit

"Völlig logisch", erklärt AKNÖ-Direktor Mag. Helmut Guth, "die Niederösterreicherinnen verdienen zu wenig, die beruflichen Möglichkeiten, die ihnen geboten werden, sind kein echter Anreiz, und Kinderbetreuungseinrichtungen haben häufig unflexible Öffnungszeiten. Viele Frauen haben keineswegs die Chance, sich wirklich für den Beruf zu entscheiden."

Weit verbreitet: Resignative Zufriedenheit

"Wenn die Frauen genug damit zu tun haben, ihren Alltag zu bewältigen, ist es kein Wunder, wenn sie keine Energie aufbringen, sich auf den Beruf zu konzentrieren", meint Christa Bogath, AKNÖ- Frauenreferentin und Vorsitzende der ÖGB Frauen in NÖ. Sie bezieht sich dabei auf den Begriff der resignativen Zufriedenheit. Diese wurde von WissenschafterInnen bei Personen geortet, die großen Belastungen ausgesetzt sind und froh, halbwegs "über die Runden" zu kommen.

Die Arbeitssituation der Niederösterreicherin unterscheidet sich von jener ihrer Landsmänner und ist noch immer stark abhängig vom Familienstand. 58 Prozent der Frauen insgesamt arbeiten zwischen 30 und 40 Wochenstunden, im Vergleich zu 91 Prozent der Männer. Alleinerzieherinnen würden - wegen finanziell schlechter Lage - gern mehr arbeiten, können aber auf Grund der Betreuungspflichten nicht. Genau genommen kann bei Frauen an Hand der Wochenarbeitszeit gesagt werden, ob sie Kinder haben. Hingegen ist bei Männern daran nicht zu erkennen, ob sie Väter sind. Männer sind mit den gebotenen Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten tendenziell zufrieden, Frauen nicht.

Die Frauen in NÖ verdienen schlecht

Im Jahr 2001 betrug das mittlere weibliche Einkommen in NÖ 1.181 und damit nur 66 Prozent des männlichen Einkommens von 1.788 (Quelle: AKNÖ-Einkommensanalyse 2001). Die Auswirkungen auf das Lebenseinkommen, den Lebensstandard und die Alterssicherung sind enorm. Knapp 60 Prozent der berufstätigen Frauen können bzw. könnten mit ihrem persönlichen Einkommen schlecht einen eigenen Haushalt finanzieren.

Studie als "Basis für alltagsorientierte Frauenpolitik"

AKNÖ-Präsident Josef Staudinger sieht mit der vorliegenden Studie eine ausführliche Grundlageninformation für die politisch Verantwortlichen geliefert, die dadurch die Interessen ihrer weiblichen Zielgruppe besser erkennen und vertreten können. "Die Studie analysiert die derzeitige Situation der Frauen. Sie schafft die Basis für eine alltagsorientierte und erfolgreiche Frauenpolitik", stellt Christa Bogath fest.

Zu den Ergebnissen der Studie veranstaltet die AKNÖ in fünf Bezirksstellen Podiumsdiskussionen mit VertreterInnen aus Arbeit, Wirtschaft und Politik, moderiert von Journalistinnen:

  • St. Pölten: 13. Februar 2003

    Saal der AKNÖ, Gewerkschaftsplatz 1
    Am Podium diskutieren:
    LHStv. Heidemaria Onodi
    Josef Staudinger, Präsident der AKNÖ
    Sonja Zwazl, Präsidentin der Wirtschaftskammer NÖ
    Hans Kassler, Direktor der PVA, Landesstelle NÖ
    KR Christa Bogath, ÖGB Frauenvorsitzende NÖ
    HR Mag. Karl Fakler, Geschäftsführer des AMS NÖ
    Moderation: Inge Winder, ORF NÖ

  • Baden: 27. Februar 2003

    Saal der AKNÖ, Wassergasse 31 a
    Am Podium diskutieren:
    Emil Schabl, 2. Landtagspräsident
    Josef Staudinger, Präsident der AKNÖ
    Monique Weinmann, Vorsitzende v. Frau in der Wirtschaft
    KR Christa Bogath, ÖGB Frauenvorsitzende NÖ
    KR Anna Chalupka, Ang. BRV Semperit
    Moderation: Claudia Schanza, ORF

  • Neunkirchen: 6. März 2003

    Saal der AKNÖ, Würflacherstr. 1
    Am Podium diskutieren:
    Josef Staudinger, Präsident der AKNÖ
    Univ.-Prof. Dr. Sieglinde Rosenberger, Universität Wien
    KR Christa Bogath, ÖGB Frauenvorsitzende NÖ
    HR Mag. Karl Fakler, Geschäftsführer des AMS NÖ
    Waltraud Rigler, Frau und Wirtschaft
    Moderation: Inge Winder, ORF NÖ

  • Krems: 13. März 2003

    Saal der AKNÖ, Wienerstr. 24
    Am Podium diskutieren:
    Josef Staudinger, Präsident der AKNÖ
    Helene Renner, Präsidentin d. katholischen Frauenbewegung
    KR Gerhard Hutter, Obmann der NÖGKK
    KR Christa Bogath, ÖGB Frauenvorsitzende NÖ
    Herta Mikesch, BZST-Obfrau der Wirtschaftskammer Melk
    Moderation: Renata Schmidtkunz, ORF

  • Amstetten: 20. März 2003

    Saal der AKNÖ, Wienerstr. 55
    Am Podium diskutieren:
    Josef Staudinger, Präsident der AKNÖ
    Kaplan Franz Sieder, Betriebsseelsorger
    Monique Weinmann, Vorsitzende v. Frau in der Wirtschaft
    KR Christa Bogath, ÖGB Frauenvorsitzende NÖ
    Harald Vetter, RGS-Leiter des AMS Amstetten
    Moderation: Renata Schmidtkunz, ORF (red)