New York - Das große Geld wittern Pharmakonzerne bei der Herstellung eines Medikaments, das so genannte sexuelle weibliche Dysfunktion bekämpfen soll. Der weibliche Counterpart von Viagra ist nach Angaben der New York Times bereits patentiert. Das Patent für eine Creme geht an NexMed, berichtete die Zeitung am Montag. Nach Angaben des Pharmaunternehmens wird das Produkt frühestens in drei Jahren marktfertig sein.

"Erfindung der Pharmaindustrie"

Bereits Anfang des Jahres haben ForscherInnen im renommierten British Medical Journal (BMJ) behauptet, dass sexuelle weibliche Dysfunktion und respektive Impotenz eine reine Erfindung der Pharmaindustrie sei, die dafür geschaffen wurde, um den Markt, der beim "männlichen" Viagra seit 1998 immerhin 1,5 Milliarden Dollar ausmacht, auszudehnen. Die amerikanischen ForscherInnen kontern mit einem 1999 im Journal der American Medical Association veröffentlichten Artikel, der davon spricht, dass 43 Prozent der Frauen zwischen 18 und 54 unter "irgendeiner Art von sexueller Dysfunktion" leidet. Unter diesen besagten 43 Prozent befinden sich aber auch Frauen, die etwa an Herzerkrankungen oder anderen hormonellen Erkrankungen leiden, die zumindest die Lust auf Sex einschränken. Nach Angaben der NY-Times sind die ForscherInnen nämlich auch in diesem Artikel der Erklärung über die tatsächliche Definition der weiblichen sexuellen Dysfunktion schuldig geblieben. Vielmehr gehe es aber um das Marktpotenzial, das die NY-Times mit etwa sechs Milliarden Dollar jährlich beziffert. Fraglich, so die Zeitung, sei aber der tatsächliche Zeitpunkt, wann die viel gepriesene Creme endlich in den Supermarktregalen der amerikanischen Drugstores zu finden sei.

Gleicher Wirkstoff wie bei Viagra

Nach der Definition der Patentanmelder sind Erregungsstörungen auch bei Frauen vor der Menopause häufig. In der neuentwickelten Creme befindet sich ein chemischer Wirkstoff, der auch bei männlicher Dysfunktion verwendet wird und sich Prostaglandin nennt. Prostaglandin ist nach Angaben der Hersteller ein Derivat von ungesättigten Fettsäuren und findet sich auch in anderen Teilen des Körpers. Dadurch, dass sich der Wirkstoff bewährt hat, könne auch davon ausgegangen werden, dass allfällige Nebenwirkungen ausgeschaltet werden. Um alle Risiken auszuschalten, werde die Dosis des Wirkstoffes zunächst sehr niedrig gehalten. Dennoch stellt Yeager sexuell unbefriedigten Frauen die Hoffnung in Aussicht, dass bereits fünf bis zehn Minuten nach dem Auftragen der Creme eine deutliche Wirkung eintrete.

KritikerInnen zweifeln jedoch an der Sinnhaftigkeit des Unterfangens. Viele der sexuellen Unlustgefühle entstehen einfach daraus, dass Stress und Leistungsdruck das Leben der Industrienationen bestimmen. Daran würde die Creme auch nichts ändern. (pte)