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Foto: .EPA/PRESSENS/ JONAS EKSTROMER

Stockholm - Gudrun Schyman (54), die Chefin der postkommunistischen schwedischen Linkspartei (Vänsterpartiet), ist am Sonntag (gestern) zurückgetreten. Sie steht in Verdacht, Steuern hinterzogen zu haben. Mit Schyman verschwindet auch eine Gegnerin des Euro. Experten glauben, dass mit ihrem Rücktritt den Euro-Skeptikern im Land ein Schlag versetzt wurde. Am 14. September findet in Schweden eine Referendum über die Einführung der gemeinsamen europäischen Währung statt.

Schyman hatte in ihrer Steuererklärung Abzüge von mehreren hunderttausend Kronen (eine Krone sind 0,11 Euro) geltend gemacht, wie die "Neue Zürcher Zeitung" (Montagsausgabe) berichtete. Mehrfach soll Schyman Privatausgaben als dienstliche Ausgaben deklariert haben; mehrfach auch die Kosten für Dienstreisen, die bereits ihre Partei oder der schwedische Reichstag bezahlt hatten, als persönliche Kosten geltend gemacht haben. "Ich sehe ein, dass das, was ich getan habe, falsch war", sagte Schyman. Sie gab an, bei ihrer Steuererklärung "schlampig" gewesen zu sein. In einer Pressekonferenz am Sonntag sagte sie, ihre Position als Parteivorsitzende sei untragbar geworden. Sie wurde im Jänner 1993 zur Parteichefin gewählt und hatte ursprünglich geplant, ihren Platz im Jahr 2004 zu räumen.

Experte sieht Schwächung der Euro-Skeptiker

Soren Holmberg, Politikwissenschaftler an der Universität Göteborg, glaubt nach Schymans Rücktritt an eine Schwächung der Euro-Skeptiker: "Kurzfristig könnte dies die "Nein"-Seite durcheinander bringen", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. Er fügte jedoch hinzu, dass es bis zum Referendum über die Währungsunion noch einige Zeit sei. Hans Tson Soderstrom, Leiter des Zentrums für Wirtschaft und Politikwissenschaft, erklärte, Schymans Abgang würde den Druck auf die regierenden Sozialdemokraten (SAP) verringern. Der Ministerpräsident Göran Persson könne die Euro-Einführung nun aggressiver vertreten.

Die Linkspartei, die von etwa zehn Prozent der schwedischen Wähler unterstützt wird, hat mit der SAP eine Vereinbarung. Derzufolge fungiert sie in wichtigen Politikbereichen wie etwa dem Budget als Mehrheitsbeschafferin für die Minderheitsregierung Perssons. Im Austausch dafür beschränkten die Sozialdemokraten ihren Einfluss bei der Vorbereitung der Gesetzgebung, mit Ausnahme der Verteidigungs- und Außenpolitik.

Robert Bergqvist, führender Börsen-Analyst der SEB Bank, sagte, es sei zu früh, um über mögliche Auswirkungen von Schymans Rücktritt zu sprechen. Schließlich sei noch unklar, wer ihr nachfolgen wird. Am 7. Februar wird die Linkspartei einen interimistischen Vorsitzenden wählen.(APA/Reuters)