Bagdad/Paris - Der irakische Außenminister Naji Sabri hat US-Außenminister Colin Powell der Lüge bezichtigt und bekräftigt, sein Land besitze keine Massenvernichtungswaffen. Sabri sagte am Montag in Bagdad, Powell "wiederholt Lügen, die niemand mehr glaubt", wenn er wie am Wochenende behaupte, der Irak entwickle Massenvernichtungswaffen. Weiter sagte Sabri, er hoffe, der am Montag von den UNO-Waffeninspektoren vorgelegte Bericht werde bestätigen, dass der Irak keine verbotenen Waffen habe und die Zusammenarbeit des Iraks mit den Inspektoren "super" sei. Es liege jetzt bei den USA und Großbritannien, eine militärische Kraftprobe zu verhindern.

Der Chef der UNO-Waffeninspektoren, Hans Blix, und der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO), Mohamed El Baradei, berichten dem UNO-Sicherheitsrat über die bisherigen Ergebnisse ihrer achtwöchigen Kontrollen im Irak. Es wird erwartet, dass sie erneut auf Lücken im irakischen Waffendossier hinweisen und mangelnde Kooperation des Iraks mit den Inspektoren kritisieren werden. Die USA haben dem Irak mit Krieg gedroht, sollte das Land gegen die Abrüstungsforderungen der UNO-Resolution 1441 verstoßen. Die USA haben sich einen Militärschlag auch ohne UNO-Mandat vorbehalten.

Öl und Israel

"Wir hoffen, dass sie (die Inspektoren) fair sein werden und die Tatsachen so darlegen werden, wie sie sind, nämlich dass es keine verbotenen Waffen oder Aktivitäten gibt ... und dass die irakischen Behörden effektiv und in großem Umfang mit den Inspektorenteams kooperiert haben", sagte Sabri. Der Irak habe alles getan, um die Welt zu überzeugen, dass es keine verbotenen Waffen habe und gut kooperiere. "Wir haben alles Mögliche getan, damit diesem Land und dieser Region ein Krieg durch die Kriegshetzer in Washington und ihren Verbündeten (den britischen Premierminister) Tony Blair erspart bleibt." Ihr Ziel seien nicht Massenvernichtungswaffen. "Ihr Ziel ist ... die Kontrolle über das Öl am Golf und die Sicherheit Israels."

Sabri wies auch Vorwürfe Powells zurück, der Irak unterhalte Beziehungen zur El-Kaida-Organisation des Moslemextremisten Osama bin Laden oder unterstütze "andere terroristische Aktivitäten". Wörtlich sagte Sabri: "Powell und die US-Regierung wissen genau, dass der Irak keine Beziehungen zu solchen Organisation hat."

"Schlimmste Befürchtungen" bestätigt

Colin Powell sieht "die schlimmsten Befürchtungen" Washingtons wegen des irakischen Strebens nach Massenvernichtungswaffen durch Geheimdienstberichte bestätigt. Die Informationen zeigten, dass die Annahmen der USA begründet seien, sagte Powell in einem Interview der französischen Zeitung "Le Monde" (Dienstagausgabe) und sieben anderen europäischen Zeitungen. "Wir hoffen, diese Berichte, sofern möglich, in einer Woche öffentlich zu machen", ergänzte er am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos.

US-Präsident George W. Bush wird den Irak-Konflikt nach Powells Worten in dieser Woche mit mehreren Staatschefs erörtern. Danach werde Washington entscheiden. Er könne noch nicht sagen, wann diese Entscheidung falle und wie die US-Position aussehen werde. Powell bekräftigte, dass eine zweite UN-Resolution zum Irak für die USA keine Vorbedingung sein könne, um gegen Bagdad vorzugehen. Er räumte ein, dass manche Länder sich Washington leichter anschließen könnten, wenn eine Resolution den Einsatz "aller notwendigen Mittel" einräume.

Der französische Präsident Jacques Chirac will den Irak-Bericht der UN-Waffenkontrollore "aufmerksam studieren". Er forderte Bagdad erneut auf, voll mit den Vereinten Nationen zu kooperieren. "Das Ziel der internationalen Gemeinschaft ist die Entwaffnung des Iraks", sagte Chirac am Montag nach einem Treffen mit dem ägyptischen Außenminister Ahmed Maher. Maher hält eine friedliche Lösung noch für möglich und setzte sich dafür ein, den Waffenkontrolleuren mehr Zeit einzuräumen. (APA/Reuters)