In Italien geben die Statistiken für 2006 Gewalt gegen Frauen betreffend Anlass zur Sorge. Die Zahl der Morde an Frauen ist um 23 Prozent gestiegen, in 80 Prozent der Fälle war der Täter ein Angehöriger oder eine Person aus dem Bekanntenkreis. In 37,6 Prozent der Fälle war Eifersucht das Motiv für einen Mord, Streit in der Familie machte 25,9 Prozent aus. 5,9 Prozent der Morde wurden auf psychische Probleme des Täters zurückgeführt.

Für Samstag ist eine landesweite Protestkundgebung anlässlich des Internationale Tages gegen Gewalt geplant, an der sich Parlamentarierinnen aus allen politischen Lagern beteiligen wollen. Auch Regierungschef Romano Prodi erklärte am Mittwoch, er unterstütze die Initiative. Zudem haben Frauenschutzverbände die Gesundheitsbehörden aufgerufen, PsychologInnen einzusetzen, um Konflikte zwischen Partnern zu vermindern.

Oft Lebenspartner verantwortlich

Seit Jahresbeginn wurden in Italien 62 Frauen ermordet. 141 und damit um ein Drittel mehr als im Vergleichszeitraum des vergangenen Jahres überlebten einen Mordversuch. Darüber hinaus wurde 1.805 Fälle von Vergewaltigung bekannt. 10.383 Frauen wurden laut jüngsten offiziellen Statistiken geschlagen und dabei verletzt, in nur 50 Prozent der Fälle wurde der Verantwortliche angezeigt. In den vergangenen zwölf Monaten haben 1,15 Millionen Frauen zwischen 16 und 70 Jahren physische, psychische oder sexuelle Gewalt erlitten.

"Die Zahlen sind erschreckend: Über 14 Millionen Italienerinnen sind im Laufe ihres Lebens zu Opfern verschiedener Formen von Gewalt geworden. Nur 18,2 Prozent von ihnen sind sich darüber bewusst, dass sie Opfer eines Verbrechens sind", sagte die Aktivistin für Frauenrechte, Maria Pia Serlupini. Die Expertin warnte vor psychischer Gewalt, für die oft Lebenspartner verantwortlich seien.

"Massaker an Unschuldigen"

Gewalt werde auch durch Isolierung, Kontrolle, Drohungen und Unterdrückung ausgeübt. Frauenministerin Barbara Pollastini sprach von einem "Massaker an Unschuldigen". Sie plant eine Kampagne, um weiblichen Gewaltopfern konkrete Hilfe anzubieten. "Das Problem betrifft nicht nur Italien. Gewalt ist die häufigste Todesursache bei Frauen zwischen 15 und 60 Jahren", so die Ministerin. (APA)