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apa/dpa/nietfeld

Wien - "Wenn wir den Kindern und Jugendlichen hier eine Perspektive bieten könnten, dann wäre es eher möglich, an die Hintermänner heranzukommen", ist Gerhard Wallner, Leiter des Kompetenzzentrums für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Wien, überzeugt. Die Stelle der Magistratsabteilung 11 betreut in der Bundeshauptstadt auch ausländische Kinder, die in kriminelle Machenschaften verwickelt sind - mit gemischten Erfolgen.

Vier Gruppen sind es, die das Kompetenzzentrum besonders beschäftigen, erklärte Wallner am Montag bei einem Roundtable-Gespräch des grünen Parlamentsklubs zum Thema Menschenhandel. Hunderte rumänische Buben, bulgarische Mädchen, Kinder und Jugendliche aus China und Afrikaner machen die größte Klientel aus.

Fünfhundert Euro pro Tag stehlen

"Rumänische Buben werden von organisierten Banden nach Wien gebracht, um Taschen- und Ladendiebstähle zu begehen. Sie müssen um die fünfhundert Euro pro Tag stehlen, ein Teil des Geldes wird an ihre Familien in Rumänien geschickt", erzählt der Beamte. 350 Buben waren im Vorjahr im Kompetenzzentrum, der Großteil tauchte nach kurzem Aufenthalt wieder unter.

Im Fall chinesischer Minderjähriger wird sogar auf legalem Weg eine Aufenthaltserlaubnis erreicht, schildert Wallner. "Es gibt Rechtsanwaltskanzleien, die bei Privatschulen einen Schulplatz beantragen. Mit diesem bekommt man bei der österreichischen Botschaft ein Visum, nach ihrer Ankunft tauchen die Opfer unter und werden zu Schwarzarbeit in Chinarestaurants oder im Straßenhandel gezwungen."

Kompetenzstelle kann wenig ändern

An der Misere kann die Kompetenzstelle wenig ändern, gesteht Wallner ein. Erfolge gibt es beispielsweise bei jungen Chinesen, wenn es gelingt, sie aus dem Umfeld der Ausbeuter zu lösen: "Dann sind die Kinder lernwillig, holen teilweise den Hauptschulabschluss nach und haben gute Chancen, hier zu bleiben."

Für die Gruppe der rumänischen Kinder soll es demnächst eine neue Einrichtung geben: eine gemeinsam mit der Caritas betriebene Notschlafstelle mit Betreuung in der Muttersprache. (moe/DER STANDARD, Printausgabe, 28.1.2003)