Für die große Weltpolitik reicht es noch nicht. Gemeinsame Stärke nach außen können die EU-Staaten bisher nur in der näheren Umgebung zur Schau stellen. Ihr Formelkompromiss zum Irak kontrastiert entsprechend mit der beschlossenen Entsendung von europäischen Soldaten nach Mazedonien. Dort feiert die Union immerhin ihr Debüt als noch recht bescheidene, aber doch vereinte Militärmacht.

Doch enttäuscht der dünne Brüsseler Irakbeschluss allein diejenigen, die entweder einen offenen Krach der EU-Minister oder eben eine viel deutlichere Position erwartet hatten. Realistisch betrachtet haben die 15 nur das Nötigste abgeliefert. Politökonomisch gesehen war es für feierliche Forderungen nach einer zweiten Resolution des Sicherheitsrats ohnehin noch zu früh. Schließlich hatten die USA selbst angedeutet, dass sie den UN-Inspektoren noch etwas mehr Zeit geben könnten. Wieso also den EU-internen Konflikt unnötig konkretisieren?

Als positive Bewegung in Richtung Gemeinsamkeit war am Montag zumindest die Koordinierung der EU-Staaten zu verzeichnen, die zugleich im UN-Sicherheitsrat vertreten sind. Langsam erfüllen die Europäer damit den EU-Vertrag mit Leben, der eine solche Abstimmung verlangt und von den ständigen Sicherheitsratsmitgliedern Großbritannien und Frankreich gar fordert, dass sie sich dort "für die Standpunkte und Interessen der Union einsetzen". Davon ist man freilich noch weit entfernt.

Zeit brauchen also nicht nur die Inspektoren, Zeit braucht auch die EU-Außenpolitik, die schließlich erst seit 1993 langsam heranreift: Bis vor kurzem wäre selbst der Mazedonieneinsatz undenkbar gewesen, jetzt ist im Konvent schon von außenpolitischen Beschlüssen mit qualifizierter Mehrheit die Rede.

Unter den EU-Bürgern - in Großbritannien genauso wie in Frankreich, Spanien, Deutschland oder Österreich - gibt es eine solche Mehrheit übrigens schon: gegen einen Irakkrieg. (DER STANDARD, Printausgabe, 28.1.2003)