Hamburg - Die Aktionäre der MobilCom AG haben die zwischen France Telecom, der deutschen Bundesregierung und mehreren Banken vereinbarte Rettung des Büdelsdorfer Mobilfunkanbieters fast einstimmig gebilligt. Nach fast elfstündigen teilweise turbulenten Diskussionen votierten am Montag in Hamburg knapp 99 Prozent der Anteilseigner für das von Ex-Thyssen-Chef Dieter Vogel ausgehandelte Entschuldungsabkommen. Zuvor hatte Mobilcom-Gründer und Großaktionär Gerhard Schmid klar gestellt, dass er dem Rettungsplan nicht im Wege stehen werde. Falls wie erwartet im Februar auch die Anteilseigner von France Telecom zustimmen, kann Mobilcom befreit von ihren UMTS-Lasten als Wiederverkäufer von Mobilfunkverträgen einen Neuanfang machen.

Sorgen wegen überraschender Rede von Großaktionär Schmid

Schmid sorgte zu Beginn des Aktionärstreffens für Turbulenzen, als er entgegen seiner Ankündigung das Wort ergriff. Anders als zunächst befürchtet, der Großaktionär könnte den Rettungsplan in letzter Minute noch zu Fall bringen, bat Schmid den als Treuhänder eingesetzten früheren RTL-Chef Helmut Thoma jedoch, für das Entschuldungsabkommen zu votieren. Zugleich behielt sich Schmid das Recht vor, die Rechtmäßigkeit der Treuhänderschaft für sein Aktienpaket gerichtlich klären zu lassen.

Sonderprüfung zugestimmt

Die Aktionäre stimmten zudem für einen Antrag auf Sonderprüfung eines von Schmid als damaligen Vorstandschef veranlassten Aktiengeschäfts in Höhe von 71 Millionen Euro mit der Gesellschaft Millennium seiner Ehefrau zu. Die Transaktion hatte im vergangenen Frühsommer zu Schmids Abberufung als Mobilcom-Chef durch den Aufsichtsrat geführt.

Schmid bekräftigte vor den rund 500 Aktionären seinen Standpunkt, wonach der von ihm berufene Hamburger Wirtschaftsprüfer Otto Gellert rechtmäßiger Verwalter seiner Anteile sei. Dies sei jedoch nicht Gegenstand der Hauptversammlung. Der Mobilcom-Gründer hatte Anfang Januar dem bis dahin von allen Beteiligten als Treuhänder akzeptierten Thoma gekündigt und stattdessen Gellert berufen. Die Banken übertrugen jedoch Thoma Schmids Anteile von gut 42 Prozent an Mobilcom.

Kleinanleger zu Zustimmung aufgerufen

Eine Zustimmung der Hauptanteilseigner hatte als sicher gegolten, da sich sowohl die mit 28 Prozent beteiligte France Telecom als auch Schmid-Treuhänder Thoma verpflichteten, der Mobilcom-Rettung zuzustimmen. Sprecher von Aktionärsvereinigungen hatten die Kleinaktionäre aufgerufen, das Vertragswerk ebenfalls zu billigen.

Vogel, den die Hauptversammlung zum Versammlungsleiter wählte, kritisierte die Mobilcom-Aufsichtsratsmitglieder Gerhard Picot und Joachim Dreyer wegen deren Abstimmungsverhalten in dem Kontrollgremium. Er sei von der deutschen Bundesregierung gebeten worden, den Vorsitz im Aufsichtsrat zu übernehmen. Dennoch hätten Picot und Dreyer gegen ihn votiert. Dreyer, der gegen Vogel als Aufsichtsratschef kandidiert hatte, entgegnete gereizt, von den sechs Vertretern der Kapitalseite in dem Aufsichtsgremium sollte wenigstens einer über die nötige Fachkenntnis verfügen. Vogel war in drei Anläufen nicht zum Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt worden, will aber ein viertes Mal kandidieren.

In Hinblick auf das gescheiterte UMTS-Engagement sagte Vogel: "Wir haben ein Projekt begonnen, das schief gelaufen ist. Dafür, dass es schief gegangen ist, brauchen wir nichts zu zahlen. Gut, dass wir keine französischen Steuerzahler sind." France Telecom verpflichtet sich im Rahmen des von Vogel ausgehandelten Rettungskonzepts, Mobilcom-Schulden im Umfang von 7,1 Milliarden Euro zu übernehmen und bezahlt zudem 370 Millionen Euro für das Einfrieren der UMTS-Aktivitäten. Im Gegenzug zieht sich Mobilcom aus dem UMTS-Geschäft zurück und verkauft das dazu gehörige Netz.

Mobilcom-Chef: Zustimmung rettet Unternehmen

Mobilcom-Chef Thorsten Grenz bezeichnete eine Zustimmung der Aktionäre zu dem von Vogel ausgehandelten Rettungsplan als Voraussetzung für die endgültige Abwendung der Zahlungsunfähigkeit. Gleichzeitig machte er deutlich, dass Mobilcom sein UMTS-Netz abreißen müsste, wenn bis Ende März kein Käufer dafür gefunden sei.

Vogel sagte, falls kein Käufer gefunden werde, müsse Mobilcom die zusammen mit France Telecom für 8,4 Milliarden Euro ersteigerte UMTS-Lizenz zurückgeben. Die Lizenzbedingungen schreiben vor, dass die Lizenz Ende 2003 an die Regulierungsbehörde zurückfällt, wenn keine Abdeckung von 25 Prozent der Bevölkerung erreicht ist. Mobilcom hat den Ausbau bei einem Abdeckungsstand unter 20 Prozent eingestellt.

Grenz bekräftigte, dass Mobilcom entschuldet im ersten Halbjahr 2003 operativ die Gewinnschwelle erreichen werde. Darüber hinaus werde die Gesellschaft auch für das Gesamtjahr operativ keinen Verlust ausweisen. Die Aktionäre wählten Picot, Dreyer, den Bankier Ulf Gänger und den früheren ABB-Deutschlandchef Horst Dietz in den Aufsichtsrat nach. Die im Nemax50 notierte Mobilcom-Aktie verlor bis Handelsschluss über sechs Prozent auf 3,11 Euro.(APA/Reuters/AP/dpa)