Berlin - Die Videos mit den Interviews österreichischer Zeitzeugen für die Shoah Foundation werden demnächst nach Österreich zurückkehren. Das kündigte am Montag der Managing Director der Survivors of the Shoah Visual History GmbH, Philipp Graf von Hardenberg, am Rande einer von der Konrad-Adenauer-Stiftung anlässlich des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus organisierten Veranstaltung in Berlin an. Ebenso wie in Deutschland sollen die aus dem Land stammenden Interviews hier gesammelt und für pädagogische Zwecke angeboten werden, sagte von Hardenberg.

Derzeit sind die österreichischen Interviews Teil von 50.000 Videos aus 57 Ländern und 32 Sprachen, die derzeit noch bei der vom Regisseur Steven Spielberg ins Leben gerufenen Shoah Foundation in Los Angeles lagern. In einem bis eineinhalb Jahren werde mit der Produktion einer CD-ROM begonnen werden, sagte von Hardenberg. Es werde sich dabei um eine veränderte Version der deutschen mit dem Titel "Erinnern für Gegenwart und Zukunft" handeln. Der für Europa zuständige Managing Director erklärte, großes Interesse an der Verwirklichung des Projekts aus Österreich verspürt zu haben.

Zuerst gehe es um die Suche eines Hauptpartners im Land: "Das darf natürlich keiner aus Deutschland sein, der fliegt ja gleich hinten wieder raus", sagte von Hardenberg. Diese Person müsse das Projekt gleichsam "umarmen", zudem aber in Österreich gut "connected" sein. Ähnlich wie in Deutschland, wo das Projekt gemeinsam mit Verlagen durchgeführt wurde, sucht von Hardenberg ab sofort in Österreich nach einem Medienhaus für die Zusammenarbeit.

Seit drei Jahren werden die Interviews mit verfolgten Juden, Sinti, Roma, Homosexuellen, Zeugen Jehovas und anderen von der Nazi-Diktatur Verfolgten katalogisiert. Kritik übte von Hardenberg am mangelnden Interesse in Deutschland: 120.000 Adressen seien angeschrieben worden, nur etwa 120 Personen hätten die angekündigte CD-ROM tatsächlich erwerben wollen. Nach eigenen Aussagen will von Hardenberg alle Medien nützen, um mit seinem Material und der zeithistorischen Information an die Jugendlichen heranzukommen: Man bediene sich dabei sowohl der Neuen Medien als auch der Hilfe Hollywoods. Noch heuer soll ein Zeitzeuge in einer Sendung des Musik-Senders Viva auftreten, so der Managing Director. "Nur dadurch kriegen wir sie", sagte er über seine Zielgruppe.(APA)