Washington - "Achse des Bösen" ist seit einem Jahr zum Schlagwort für die Außenpolitik von US-Präsident George W. Bush geworden. Als Bush Ende Jänner 2002 in seiner Rede "Zur Lage der Nation" den Irak, den Iran und Nordkorea als "Achse des Bösen" brandmarkte, war die Idee zu dem Begriff von einem der zahlreichen Redenschreiber des Weißen Hauses gekommen. David Frum hatte den Terminus als Analogie zu den Achsenmächten im Zweiten Weltkrieg Berlin-Rom-Tokio geprägt - und ursprünglich nur an den Irak gedacht, wie er in seinem Bestseller "The Right Man - The Surprise Presidency of George W. Bush" (Der richtige Mann - die Überraschungspräsidentschaft von George W. Bush) ausführt.

Von "Achse des Hasses" zu "Achse des Bösen"

Auf Wunsch der Sicherheitsberaterin des Präsidenten, Condoleezza Rice und Stephen Hadley vom Nationalen Sicherheitsrat sei erst danach der Iran als weitere "Achsenmacht" hinzugefügt worden. Die beiden Strategen im Weißen Haus hätten sich davon eine Stärkung des inner-iranischen Widerstands gegen die fundamentalistischen Mullahs erhofft. Schließlich wurde auch Nordkorea aufgenommen, weil es sich um die Entwicklung von Atomwaffen bemühe, beschreibt Frum den Entstehungsprozess. Seine Wortwahl "Achse des Hasses" sei vom Chef-Redenschreiber Michael Gerson noch in "Achse des Bösen" geändert worden, um dem "biblischen Stil" von Bushs Reden seit den Terroranschlägen vom 11. September besser zu entsprechen.

Die Rede wurde ein Erfolg, das Konzept der "Achse des Bösen" machte weltweit Schlagzeilen. Europäische Politiker fühlten sich indirekt angegriffen, weil sie ihren Kurs der vorsichtigen Annäherung an den Iran und den Irak durch deren Verdammung diskreditiert sahen, schildert Frum. Für ihn selber folgte jedoch keine Promotion, sondern bald das Ende seiner einjährigen Karriere im Weißen Haus. Die Umstände seines Abgangs bleiben unklar - auch wenn Frum beteuert er habe seine Kündigung eingereicht weil es unter einer "Kriegspräsidentschaft" kaum mehr Aufgaben für einen Redenschreiber mit dem Schwerpunkt Wirtschaftspolitik gebe. Als ein Email von Frums Frau, in dem diese stolz die Urheberschaft des "Achsen-Begriffs" für ihren Mann reklamierte, an die Öffentlichkeit gelangte habe ihn der Präsident feuern lassen, behauptete hingegen der konservative Kommentator Robert Novak. Frum und die Presseabteilung des Weißen Hauses dementierten öffentlich.

Blick in das Innere des Weißen Hauses

Neben dem "Achsen-Kapitel" gibt das Buch einen seltenen Einblick ins Innere des Weißen Hauses, für das Frum ab der Angelobung des Präsidenten Anfang 2001 ein Jahr arbeitete. Der frühere Journalist des "Wall Street Journal" und bereits zuvor erfolgreiche Buchautor verlor auch im Machtzentrum der USA nicht den kritischen Blick, obwohl - oder gerade weil - er sich als überzeugter "konservativer Republikaner" sieht. Als Jude mit kanadischer Staatsbürgerschaft und Intellektueller habe Frum wohl nie so richtig in den Kreis um den Präsidenten gepasst, meint "New York Times"-Kritiker Jeff Sheshol.

Frum versucht einen Balanceakt zwischen Loyalität und historischer Wahrheit, bei dem offenbar der Historiker und Journalist in ihm siegt. Wenig schmeichelhaft sind seine Schilderungen von Bush als Chef - wenn etwa seine Mitarbeiter jedes Mal aufstehen müssen, wenn "der Präsident" den Raum betritt, und sich erst auf dessen Wink wieder setzen dürfen. Bush habe damit manchmal gespielt, indem er seine Mitarbeiter willkürlich aufstehen und hinsetzen ließ, berichtet Frum. Im Gegensatz zu den "lockeren Sitten" von Bushs Vorgänger Bill Clinton, der seine Reden mit seinem Team spätabends bei Pizza und Pommes Frites im Oval Office entworfen habe, lege Bush Wert auf Formen und setze auf Distanz. Auch präsidentielle Wutausbrüche gebe es im Weißen Haus.

Ein weiterer "Tag ohne Alkohol"

"Jeden Tag weiß Bush in der Früh beim Aufstehen immer eines: Dass er heute wieder einen Tag ohne Alkohol erleben wird", zitiert Frum einen ungenannten "Freund" über die Nachwirkungen von Bushs Alkoholproblem. In einer nicht allzu vorteilhaften Charakterstudie verweist er auf dessen Ungeduld, seinen Starrsinn und seine aufbrausende Art. Oft sei der Präsident auch einfach uninteressiert und daher schlecht informiert. Als nach wie vor überzeugter Konservativer fällt Frums Gesamturteil über Bush jedoch positiv aus. Trotz der Umstände habe sich Bush als "der richtige Mann" für den Job im Weißen Haus gezeigt, schließt das Buch anerkennend. Dem 43. Präsidenten der USA wäre es vermutlich lieber gewesen, dieses "Lob" wäre nie erschienen.(APA)