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dieStandard.at Lisbeth, du hast am 10. Platz auf der Gemeinderatsliste der KPÖ kandidiert und bist jetzt Mandatarin. Was sagst du zum Wahlergebnis?

Lisbeth Zeiler Unglaublich. Und sehr sehr schön, natürlich. Allerdings ist es auch so, dass ich auch im Bezirk Leonhard als Bezirksrätin kandidiert habe und wir werden uns in den nächsten Tagen in der Partei miteinander beraten, wer welche Aufgaben übernehmen wird, um den Bedürfnissen der Menschen in Graz am besten gerecht werden zu können.

dieStandard.at Inwieweit glaubst du waren eure Inhalte ausschlaggebend für den Wahlsieg?

Lisbeth Zeiler Ich glaube, dass die Menschen honoriert haben, was in den letzten Jahren in Graz zu erleben war: Die Unterstützung für die Menschen, die Ernst Kaltenegger ermöglichte mit dem Geld, das er als Stadtrat bekommt.

dieStandard.at Wie hoch ist der Frauenanteil auf der Gemeinderatsliste?

Lisbeth Zeiler Die ist ungefähr halb/halb. (Anm. d. Red.: 14 von 29)

dieStandard.at Wie siehst du deine Position im Gemeinderat? Welche Themen sind für dich spannend und wichtig?

Lisbeth Zeiler Es gibt eine ganze Reihe von sozialen Einrichtungen und es ist mir ein persönliches Anliegen, diese zu unterstützen. Wichtig ist das Thema Erhalt der Grünflächen und der Heimgärten. Und selbstverständlich wird die KPÖ weiter gegen den Ausverkauf des öffentlichen Eigentums kämpfen.

dieStandard.at Wie schauen deine frauenpolitischen Anliegen aus?

Lisbeth Zeiler Momentan bewegt mich besonders, dass man im Zusammenhang mit den Studiengebühren alle möglichen Argumente dafür und dagegen hört. Was aber völlig untergeht und kaum in den Medien kommt, ist, dass der größte Teil derer, die aufgehört haben, oder aufhören haben müssen, Frauen sind, deren Eltern oder Partner oder Großeltern etc. nicht das Geld haben, Studiengebühren zu zahlen. Diese Frauen wurden mitten herausgerissen aus einer Lebensplanung.

dieStandard.atWas kann die Stadtpolitik da tun?

Lisbeth Zeiler Es ist die Gesamttendenz, die bekämpft werden muss. Die Studiengebühren sind ja nur ein Bereich jener Tendenz, Eliten zu züchten und zu fördern und alle anderen Menschen zu vergessen.

dieStandard.at Wie stellst du dir deine Position im Gemeinderat vor als Frau?

Lisbeth Zeiler Es ist ja noch nicht einmal ausgesprochen, dass ich Gemeinderätin werde. Ich habe ja auch als Bezirksrätin kandidiert. Ich war einmal von der Schule aus im Gemeinderat und das war sehr amüsant, aber irgendwie auch ernüchternd. Da haben wir zugeschaut, wie manche Mandatare während der Sitzung verschwunden sind und mit Wurstsemmerln wiedergekehrt sind und dann einander unter dem Pult anscheinend Urlaubsfotos gezeigt haben.

dieStandard.at Inwieweit wirst du und die KPÖ politische Positionen in den Grazer Gemeinderat bringen?

Lisbeth Zeiler Der Kampf gegen die Privatisierung des öffentlichen Eigentums ist ja die praktische Umsetzung unseres theoretischen Ansatzes. Damit die Grundversorgung mit dem Gesundheitswesen, dem öffentlichen Verkehr, Wasser, Heizung, Wohnen gewährleistet ist. Das kann man dem privaten Markt nicht überlassen. Denn das führt nur dazu, dass es für alle Menschen teurer wird, und das trifft vor allem die, die es ohnehin schon schwerer haben.

dieStandard.at Wie schaut da dein frauenspezifischer Ansatz aus?

Lisbeth Zeiler Frauen werden von sozialen Verschlechterungen besonders getroffen, da noch immer sie es sind, bei denen der Hauptanteil an der Familienarbeit und Betreuung von Angehörigen bleibt. Und daneben haben sie noch den zusätzlichen Stress atypischer und prekarisierter Arbeitsverhältnisse.

dieStandard.at Was sagst du zur Aussendung des Peter Weinmeister vor den Wahlen: "Wo Kaltenegger drauf steht, ist Kommunismus drin?"

Lisbeth Zeiler Das Votum der Wähler und Wählerinnen zeigt, dass sie durchaus nicht die Ängste des Herrn Weinmeister teilen, sondern die Arbeit der KPÖ Graz in den letzten fünf Jahren aufmerksamer verfolgt haben als Herr Weinmeister. Es ist lächerlich, der KPÖ Graz die Geschichte anderer Länder in einer anderen Zeit vorzuwerfen.

(e_mu)