Die Gemeinschaft Serbien und Montenegro soll einen Sitz in der UNO und eine gemeinsame Verteidigungspolitik, einen Präsidenten, einen Ministerrat, fünf Ministerien und ein Bundesparlament haben. Aber das wäre schon alles, was an einen Staat im Sinn des Wortes erinnert.

Denn die Gründerrepubliken behalten verschiedene Währungen, ein getrenntes Bank- und Zollsystem sowie ein getrenntes Justiz- und Schulwesen. Man weiß nicht einmal, wie die offizielle Sprache heißen, das Wappen aussehen, die Hymne lauten, oder wie sich ein Staatsbürger "Serbien und Montenegro" überhaupt bezeichnen soll. Ebenso wenig weiß man, wie die Eigentumsfragen geregelt werden sollen. Was man aber weiß, ist, dass der Staat eine Probezeit von drei Jahren hat. Danach, so steht es in der Verfassungsurkunde, dürften die Bürger über die gemeinsame Zukunft bei einem Referendum entscheiden.

Sich der Schwächen des Abkommens bewusst, stimmte die Mehrheit der Abgeordneten in den Parlamenten Serbiens und des zehnmal kleineren Montenegros mit recht wenig Begeisterung für die Verfassungsurkunde, die als Grundstein des Staates dienen soll - der vierten Staatengemeinschaft Serbiens und Montenegros in sechzig Jahren. Das jugoslawische Bundesparlament soll in einigen Tagen oder Wochen - Genaues weiß man noch nicht - das Abkommen absegnen.

"Die EU fordert nun einmal das Fortbestehen des gemeinsamen Staates, es ist die Bedingung für die Wiederaufnahme in internationale Organisationen", brachten die serbischen und montenegrinischen Ministerpräsidenten, Zoran Djindjic und Milo Djukanovic, die Staatsgründung auf den Punkt. Die Alternative wäre für beide Teilrepubliken Isolierung und Abbruch der finanziellen Hilfe.

Der Einzige, der sich begeistert gab und von einem "historischen Augenblick" sprach, war der hohe Vertreter der EU für Außen- und Sicherheitspolitik, Javier Solana, der das Abkommen zwischen Serbien und Montenegro vermittelte und entsprechenden Druck ausübte. Für die EU ist es wichtig, dass neue Grenzziehungen auf dem Balkan verhindert werden. (DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 31.1.2003)