Wien - "Die höchste Bauarbeitslosigkeit, die wir je hatten," erwartet der Vorsitzende der Gewerkschaft Bau Holz, Johann Driemer, für den heurigen Winter. Im vergangenen Dezember waren in der Bauwirtschaft inklusive der Bereiche Holz und Stein- und Keramische Industrie rund 83.000 Jobsuchende gemeldet. Im Jänner könnte die Zahl der arbeitslosen Bauarbeiter bei für ganz Österreich prognostizierten 310.000 Jobsuchenden auf 100.000 Bauarbeitslose hinaufschnellen. Damit sei die Spitze aber sicher noch nicht erreicht, so Driemer. Er gehe davon aus, dass sich diese in den Februar und in den März hinein verschieben werde. Die höchste Bauarbeitslosigkeit wurde bis jetzt mit rund 99.000 Betroffenen im Februar 1999 gezählt.

Driemer führt die Rekordarbeitslosigkeit am Bau einerseits auf die Sparpolitik der Regierung zurück, andererseits habe bei den Aufträgen ein Strukturwandel stattgefunden. Vorrang hätte der Straßenbau, während der personalintensive Wohnbau zurückgegangen sei. Es bestehe dringender politischer Handlungsbedarf, so Driemer. Wenn es der Bauwirtschaft schlecht geht, wirke sich das zeitverschoben auf weitere Branchen wie das Baunebengewerbe oder die Holz- und Möbelindustrie aus.

Der Arbeitsmarkt am Bau war im Vorjahr von sinkender Beschäftigung und steigender Arbeitslosigkeit gekennzeichnet. Die Beschäftigung in der Bauwirtschaft ist im abgelaufenen Jahr 2002 um 2,8 Prozent oder um 6.834 Personen auf 240.309 geschrumpft, geht aus der jüngsten Studie des Arbeitsmarktservice (AMS) hervor. Damit waren 8 Prozent aller unselbstständig Beschäftigten in Österreich in der Baubranche beschäftigt. Die Arbeitslosigkeit am Bau betrug im Vorjahr im Schnitt durchschnittlich 43.008 Jobsuchende, das waren um 8 Prozent oder um 3.171 mehr als im Jahr davor. Die Arbeitslosigkeit stieg in allen Bundesländern, am stärksten in Vorarlberg (plus 23,4 Prozent) und in Wien (plus 9,6 Prozent). Die Bauarbeitslosigkeit nahm bei den Inländern mit plus 8,1 Prozent stärker zu als bei den Ausländern mit plus 7,5 Prozent.

Die Arbeitslosenquote in der österreichischen Baubranche betrug 2002 15,2 Prozent nach 13,9 Prozent im Jahr davor. Sie lag damit deutlich über der allgemeinen Arbeitslosenrate in Österreich für 2002 von 6,9 Prozent. (APA)