Wien - Die schwache Konjunktur hat 2002 auch auf die Lust der Österreicher gedrückt, sich selbstständig zu machen. Die Zahl der Neugründungen stieg nach vorläufigen Zahlen in Österreich zwar um 6,5 Prozent auf 27.738 - verglichen mit minus 4,5 Prozent in Deutschland. Der Anstieg fiel aber geringer aus als in den Jahren davor und auch als geplant, wie Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl am Dienstag einräumte. Sein ursprüngliches Ziel von 30.000 neuen Unternehmen soll nun erst 2003 verwirklicht werden und "wenn wir das tatsächlich erreichen, wäre ich mehr als zufrieden", meinte Leitl heute vor Journalisten.

Die Schwierigkeiten, mit denen Neo-Unternehmer in Österreich kämpfen, sind weiter die Finanzierung, aber auch die Bürokratie. In einer aktuellen Umfrage von Fessel-GfK nennen 39 Prozent der Befragten die Kapitalaufbringung als größte Hürde bei der Unternehmensgründung, für 36 Prozent ist der Vorschriften-Dschungel die große Bremse.

"Wenn Sie heute 30.000 Euro Kredit wollen, um eine Wohnung einzurichten, geht das einfach. Wenn Sie den gleichen Betrag für die Gründung eine Unternehmens wollen, sieht das ganz anders aus. Dann ist sofort von Sicherheiten die Rede," kritisiert Leitl.

Noch deutlicher werde das Problem bei einem internationalen Vergleich des Anteils an Kreditfinanzierungen an der Bilanzsumme der Unternehmen. Während dieser in den USA bei rund 20 Prozent und im europäischen Durchschnitt bei 43 Prozent liegt, beträgt er in Österreich 60 bis 70 Prozent. Die Wiener Börse sollte sich daher verstärkt als Zentrum für Mittelstandsfinanzierungen etablieren, so Leitl.

Nach Sparten gab es im Jahr 2002 die meisten Gründungen im Handel (29 Prozent), gefolgt von dem in den vergangenen Jahren ständig wachsenden Segment Information und Consulting (27,6 Prozent), wobei 10,3 Prozent allein auf "Unternehmensberatung und Informationstechnologie" entfielen. 26,4 Prozent der neu gegründeten Unternehmen sind Gewerbe- und Handwerksbetriebe. Gemessen an der Rechtsform führt die (im Firmenbuch nicht protokollierte) Einzelfirma (78,6 Prozent) vor der GmbH (11,8 Prozent) und der KEG (4,9 Prozent).

Im Schnitt hat jeder Jungunternehmer - abgesehen vom eigenen Job - 1,5 Arbeitsplätze geschaffen, geht aus der Gründerstatistik hervor. Netto - also abzüglich der durch Insolvenzen verloren gegangenen Jobs - wurden 2002 somit 46.000 Arbeitsplätze durch die Neugründung von Betrieben geschaffen.

Bei der Überlebensquote nehmen die heimischen Jungunternehmen im europäischen Vergleich einen Spitzenrang ein, sagt Leitl. Während hierzulande nach 5 Jahren noch 95 Prozent der neugegründeten Firmen existieren, sind es im EU-Schnitt nur 60 Prozent. (APA)