Wien - Die Verpflichtung des 57-jährigen Niederländers Stan Franker für den Posten eines ÖTV-Sportdirektors hat in Österreichs Tennis-Szene keineswegs einhellige Zustimmung gefunden. In diesem Fall tritt sogar einer der seltenen Fälle ein, dass zwei maßgebliche Leute in diesem Sport einmal gleicher Meinung sind: Sowohl Daviscup-Kapitän Günter Bresnik als auch Hipfl-Manager Ronnie Leitgeb äußerten sich alles andere als positiv zu der vom heimischen Tennisverband als Coup verkauften Verpflichtung.

Die Qualitäten

Franker wird vorerst für zwölf Siebentage-Wochen in diesem Jahr zur Verfügung stehen und bei beiderseitigem Einvernehmen ab 2004 die Tätigkeit als Fulltime-Job ausführen. "Es ist die Frage, ob das das Problem löst, auch wenn ich die Vertragsdetails nicht kenne. Ich habe den Stan schon lange nicht mehr in einem Trainingsanzug gesehen", meinte Leitgeb. Ob Franker das Anforderungsprofil für einen Trainer dieser Klasse erfülle und ob er den nötigen Biss habe, ließ er dahin gestellt. Er stelle sich für diese Position eher einen Mann zwischen 30 und 40 vor, erklärte der frühere Muster-Macher. "Was wir brauchen, ist ein Mann, der diesen Posten mit Herz und Seele 24 Stunden am Tag erfüllt."

Die Gage

Ähnlich sieht das auch Bresnik, der diese Funktion zuletzt ausgeübt hat und dessen Vertrag einvernehmlich gelöst wurde. "Ich verstehe nicht wie der Verband so etwas machen kann. Franker bekommt 60.000 Dollar für zwölf Wochen, dass ist mehr als ich und Harald Mair zusammen bekommen haben." Franker sei vor 20 Jahren erfolgreich gewesen, aber damals habe auch noch jeder Sportler in der Südstadt trainiert. "Heute gibt es neun Leistungszentren, man kann das gar nicht vergleichen. Und Stan ist heute fast 60."

Und überhaupt

Die Aktion Franker sei unverständlich: "Das ist wie wenn ich für die Sahara einen Schlittenhund kaufe." Auf der anderen Seite spare man bei den Daviscupverträgen und wolle einen Koubek um 1.500 bis 2.000 Euro für die Woche engagieren. Koubek hätte in Norwegen gespielt, wenn er fit gewesen wäre. Aber diesen neuen Vertrag werde er nicht unterschreiben, bekräftigte Bresnik.

Bresnik hat übrigens nie daran gedacht, auch gleich seinen Vertrag als Kapitän zu lösen. "Das sind zwei vollkommen unterschiedliche Paar Schuhe. Mich muss man raushauen, wenn man nicht zufrieden ist", erklärte er. (APA)