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Ein Kameramann filmt im Beschussamt Suhl eine selbst gebastelte Mini-Kanone, die von Kriminaloberrat Willi Schlegelmilch (r) vom Thüringer Landeskriminalamt und vom technischen Mitarbeiter Ingo Stasulewitz für einen Schussversuch vorbereitet wird. Die Beamten zündeten die mit Haarspray betriebenen Kanonen, die Jugendliche und Studenten nach Bauanleitungen aus dem Internet gebastelt hatten, und jagten die Knollen mit bis zu 75 Meter pro Sekunde (270 Stundenkilometer) durch die Luft.

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Spaß oder doch eine gefährliche Waffe? - Diese Frage beschäftigt zur Zeit die deutsche Kriminalpolizei. Seit einigen Wochen kommt es immer wieder zu Zwischenfällen mit so genannten "Kartoffelkanonen". Jugendlichen bauen die Waffen nach Anleitungen aus dem Internet und zerschießen was nicht niet- und nagelfest ist. Allerdings steigt auch die Zahl der schweren Verletzungen an.

Eine Waffe um 15 Euro

Der Trend der "Kartoffelkanone" kommt aus den USA und verbrietet sich rasant über das Internet. Neben zahlreichen Bastelanleitungen finden sich auf einschlägigen Seiten auch Videos mit den "durchschlagenden Erfolgen" der Bastler. Die Waffe besteht aus einer mit Haarlack gefüllten Kloröhre, die auf einer Seite verschlossen ist und am anderen Ende mit einem Erdapfel, als Munition, gefüllt wird. Ein elektrischer Zünder sorgt danach für den Start der Gemüsemunition. Die benötigten Bauteile kosten im Handel nicht mehr als 15 Euro - dadurch widmen sich vor allem Jugendliche dem gefährlichen "Spiel".

270 Stundenkilometer

Das deutsche Spiegel TV drehte erst kürzlich einen Bericht über diese neue Art der Freizeitgestaltung. Bei einem Test des Thüringer Landeskriminalamts erzielten die Knollen einer - nach der Anleitung aus dem Internet gebauten Kartoffelkanone - eine Geschwindigkeit von bis zu 75 Meter pro Sekunde - dies entspricht etwa 270 Stundenkilometer. Obwohl das nur rund ein Zehntel der Geschwindigkeit von Pistolen-Projektilen ist, durchschlugen die Erdäpfel Spanplatten.

Schwere Verletzungen

Die deutschen Behörden zeigen sich besonders bestürzt, da diese Waffen nicht nur für Gemüse-Munition verwendet werden könnte. Das aber diese "Füllung" schon ausreicht um eine Gefahr darzustellen, zeigen einige Bilder von missglückten Schüssen auf diversen Webseiten. Da die Munition nicht wie geplant nach vorne flog, sondern die Röhre seitlich durchstieß erlitten Bastler schwere Verletzungen im Gesicht.

Noch sind sich die Behörden nicht einig ob die "Kartoffelkanonen" als Waffe einzustufen sind oder nicht.

Böhmdorfer warnt vor "Kartoffelkanonen"

In Österreich warnt Konsumentenschutzminister Dieter Böhmdorfer vor dem Bau und der Verwendung von Kartoffelkanonen.

Durch die Kartoffelkanonen sind laut Böhmdorfer aber vor allem die Bastler selbst gefährdet, wenn das Rohr während des Schusses explodiert. Schwere Hand- und Gesichtsverletzungen seien beobachtet worden, auch Kinder und Jugendliche waren betroffen. "Wer Bauanleitungen für Kartoffelkanonen im Internet veröffentlicht, handelt angesichts der großen Gefahr durch diese 'Waffen' in hohem Maße verantwortungslos", so Böhmdorfer. (red)