New York - Die Chefinspektoren für den Irak erwarten von Bagdad eine erheblich aktivere Kooperation. Die wichtigsten Forderungen aus dem Bericht des Exekutivdirektors der Irak-Inspektionskommission (UNMOVIC), Hans Blix:

Der Irak soll generell nicht nur passiv kooperieren, indem er Kontrollen über sich ergehen lässt, sondern die Mission der Inspektoren aktiv unterstützen. Bagdad müsse dafür von sich aus "alle Programme für Massenvernichtungswaffen deklarieren und entweder vorhandene Materialien und Aktivitäten für deren Eliminierung präsentieren oder Beweise vorlegen, die die Schlussfolgerung unterstützen, dass nichts Verbotenes übrig geblieben ist".

Der Irak soll konkret

  • zu dem Verdacht Stellung nehmen, das NERVENGIFT VX hergestellt zu haben und beweisen, dass tatsächlich sämtliche Bestände und Vorstufenprodukte vernichtet wurden.

  • die Differenz von 6500 BOMBEN MIT CHEMISCHEN KAMPFSTOFFEN aufklären, die sich aus seiner Waffendeklaration im Vergleich zu früheren Angaben ergibt.

  • zu dem Verdacht Stellung nehmen, dass es sich beim kürzlichen Fund einiger leerer CHEMIEWAFFENSPRENGKÖPFE nur um die "Spitze eines Eisberges" handelt und "tausende Chemie-Raketen nicht angegeben" wurden.

  • hinreichende Beweise dafür vorlegen, dass deklarierte 8500 Liter ANTHRAX tatsächlich im Sommer 1991 zerstört wurden und dass nicht eine größere Menge als die angegebene produziert worden war.

  • Stellung nehmen zu dem Vorwurf, 650 Kilogramm KULTURMEDIUM für die Herstellung von Milzbrandbakterien nicht deklariert zu haben, die zur Produktion von rund 5000 Litern des Kampfstoffes ausreichen würden.

  • durch technische Dokumentationen klären, ob nach dem Golfkrieg 1991 nicht genannte Mengen an SCUD-RAKETEN übrig geblieben sind.

  • den Inspektoren zu einem "klaren Verständnis" der nach Auffassung des Irak im Rahmen erlaubter Rüstungsprojekte erfolgten Entwicklung von KURZSTRECKENRAKETEN der Typen Al Samoud 2 und Al Fatah verhelfen (die Raketen sollen bei Tests die erlaubte Reichweite von 150 Kilometern um 33 beziehungsweise 11 Kilometer überschritten haben).

  • zu Erkenntnissen der Inspektoren Stellung nehmen, wonach in den letzten Jahren entwickelte ANTRIEBE FÜR RAKETEN mit einer "erheblich größeren Reichweite als 150 Kilometer" eingesetzt werden könnten.

  • erklären, warum in den letzten Jahren unter Umgehung der UNO-Sanktionen Chemikalien für RAKETENTREIBSTOFFE, Testinstrumente sowie Leit- und Kontrollsysteme eingeführt wurden, vor allem aber 380 Raketenmotoren.

  • in Privatwohnungen oder anderswo verborgene rüstungsrelevante DOKUMENTE herausgeben.

  • weit mehr NAMEN VON PERSONEN vorlegen, die an Rüstungsprogrammen beteiligt waren oder sind (rund 400 Namen seien genannt worden, während die Inspektoren von mehr 3500 Personen ausgehen, die mit biologischen und chemischen Waffenprogrammen beschäftigt waren)

  • die BEFRAGUNG IRAKISCHER WISSENSCHAFTLER ohne deren Beeinflussung und Überwachung ermöglichen und sie ermutigen, an solchen Befragungen teilzunehmen.

Mohammed ElBaradei, Direktor der Internationalen Atomenergie-Organisation, kommt in seinem Bericht zu dem Ergebnis: "Bis jetzt haben wir keine Beweise dafür gefunden, dass der Irak sein Atomwaffenprogramm seit der Eliminierung des Programms in den 90er Jahren wiederbelebt hat." Baradei bemängelt jedoch:

  • Der irakische WAFFENBERICHT liefert keine Antwort auf Fragen, die seit dem Abzug der Inspektoren Ende 1998 aufgekommen sind, insbesondere zu Fortschritten bei der Entwicklung von Waffen und Zentrifugen vor 1991

  • Bisher haben die IAEO-Experten keine nicht-überwachten INTERVIEWS MIT IRAKISCHEN WISSENSCHAFTLERN führen können.

  • Der Verwendungszweck von ALUMINIUM-RÖHREN, die der Irak verbotener Weise importieren wollte, muss durch die IAEO noch endgültig geklärt werden. Nach den bisherigen Analysen sehe es jedoch tatsächlich aus, dass die Röhren - wie von Bagdad behauptet - für die Raketenproduktion bestimmt waren. Für den Bau von Zentrifugen (zur Urananreicherung) müssten sie modifiziert werden.

  • Nach 1998 hat der Irak aus einem versiegelten Lager hoch explosiven SPRENGSTOFF HMX entfernt. Ob der Sprengstoff tatsächlich im Bergbau verwendet wurde, muss noch geklärt werden.

  • Weiterhin muss die IAEO noch Berichte prüfen, wonach sich der Irak nach 1991 um den IMPORT ANGEREICHERTEN URANS bemühte. (APA/dpa)